Damoklesschwert über den Arbeitern der Ford-Werke

Von Marianne Arens
8. Dezember 2018

Weltweit müssen Autoarbeiter mit Stellenabbau und einschneidenden Angriffen rechnen. Während General Motors (GM) in den USA und Kanada gerade die Schließung von fünf Werken und fast 15.000 Entlassungen durchsetzt, bereiten auch die Ford-Werke umfassende Stellenstreichungen vor.

Ein Analyst der Investmentbank Morgan Stanley gab vor wenigen Tagen bekannt, dass Ford weltweit 25.000 Stellen abbauen werde. Der größte Teil des so genannten „Fitness-Programms“, mit dem Ford zehn Milliarden Euro einsparen will, soll sich auf europäische Werke konzentrieren. Schon Anfang September hatte die Konzernführung in Dearborn und Köln wissen lassen, dass sie allein in den europäischen Ford-Werken bis zu 24.000 Stellen streichen werde.

Unter dem Damoklesschwert dieser Drohung fällt besonders das Stillschweigen der IG Metall und ihrer Betriebsräte auf. Weder in Köln noch in Saarlouis warnen sie die Arbeiter vor dem einschneidenden Umbau, der auf sie zukommt. Geschweige denn würden sie zu einem effektiven Arbeitskampf rüsten. Stattdessen arbeiten sie mit dem Management hinter verschlossenen Türen Pläne aus, um die Profitabilität wiederherzustellen und den Aktionären auf Kosten der Arbeiter ihre Börsengewinne zu erhalten.

Europaweit hat der Konzern bereits Kürzungen in Frankreich und Großbritannien bekannt gegeben. Am 8. November wurde angekündigt, dass das Headquarter der britischen Ford-Werke in Brentwood mit heute noch 1.700 Arbeitsplätzen geschlossen werden soll. Bis Ende September 2019 sollen alle Aktivitäten im Vereinigten Königreich auf Ford Dagenham und Ford Dunton in Basildon konzentriert werden.

In Frankreich will Ford bis zum Ende nächsten Jahres sein Werk in Blanquefort bei Bordeaux schließen. Dort sind rund 900 Arbeiter beschäftigt. Am gestrigen Freitag haben die Ford-Arbeiter von Blanquefort an den Protesten der so genannten „Gelbwesten“ im Zentrum von Bordeaux teilgenommen.

Zur Zukunft der deutschen Werke werden bisher kaum Zahlen genannt, aber es gibt deutliche Anzeichen für einen bevorstehenden Stellenabbau. In Köln stellen noch 18.500 Arbeiter den Ford Fiesta her, und in Saarlouis produzieren etwa 6000 Arbeiter den neuen Ford Focus. Allerdings sollen in Köln die Verträge für 300 Leiharbeiter gekündigt worden sein, und weitere 60 sollen zum Jahresende ihre Arbeit verlieren. Für 2019 droht Kurzarbeit, und schon heute werden, besonders in Saarlouis, immer wieder produktionsfreie Tage eingeschaltet.

Gleichzeitig investiert Ford 200 Millionen Euro in Craiova, Rumänien, um dort ein weiteres Modell bauen zu lassen. Die Zahl der Ford-Arbeiter in Rumänien soll um 1500 auf 6000 erhöht werden. Die rumänischen Ford-Arbeiter sind sklavenähnlichen Bedingungen ausgesetzt, und ein Teil von ihnen wird mit gerade mal etwa 300 Euro abgespeist. Zu Beginn des Jahres 2018 hatten 4000 Beschäftigte in Craiova versucht, durch einen Arbeitskampf einen neuen, erpresserischen Tarifvertrag zu verhindern. Seither wurden ihre Überstundenzulagen gekürzt und sie müssen neue, „flexible“ Schichtpläne akzeptieren.

Die drohenden Angriffe auf die Ford-Arbeiter sind Teil eines Rundumschlags, der in Deutschland auch die Arbeiter von Opel und Volkswagen betreffen wird. Bei Opel werden seit der Übernahme durch PSA Schritt für Schritt immer neue Kürzungen und Angriffe durchgesetzt. Wie der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer richtig feststellte, hatten Vorstand und Gewerkschaften „bewusst nicht alles auf einmal bekannt gemacht“, denn sonst „hätte man Angst gehabt, eine Revolution oder einen Streik auszulösen“.

Auch bei Volkswagen können die Arbeiter nicht mehr sicher sein. VW hat gerade beschlossen, mehr Autos in den USA zu bauen, um amerikanischen Zollschranken auszuweichen. Aktuell erwägt der VW-Konzern eine Partnerschaft mit Ford, um dessen amerikanische Produktionsstätten zu nutzen. Zudem soll gleichzeitig die Entwicklung von E-Motoren stärker vorangetrieben werden.

Neue Elektrotechnologie, Dieselgate, Brexit, Handelskrieg und eine allgemeine Wirtschaftskrise – all diese Faktoren werden von Managern und Gewerkschaftsfunktionären herangezogen, um immer neue Angriffe auf die Autoarbeiter zu rechtfertigen.

Dieselben Argumente machen aber nur die Dringlichkeit einer sozialistischen und internationalen Alternative umso deutlicher. Nur wenn die Arbeiter den Kampf um ihre Rechte und Arbeitsplätze weltweit gemeinsam und von den Gewerkschaften unabhängig aufnehmen, können sie die Entwicklung umdrehen und die technologischen Errungenschaften zum Wohl der arbeitenden Bevölkerung nutzen.