Der Pressesprecher des Weißen Hauses erklärt: „Nicht einmal Hitler ist so tief gesunken, Chemiewaffen einzusetzen“

Von Clara Weiss
14. April 2017

Der Pressesprecher des Weißen Hauses hat am Dienstag fälschlicherweise erklärt, dass Adolf Hitler keine Chemiewaffen benutzt habe. Seine Aussage löste weltweit eine Welle von Wut und Abscheu aus.

Spicer machte seine Aussage in einer Pressekonferenz, die der Denunziation des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gewidmet war, den die USA beschuldigen – ohne irgendwelche Beweise zu präsentieren – in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens einen Chemieangriff verübt zu haben.

Spicer erklärte: „Nicht einmal jemand derart abstoßendes wie Hitler ist so tief gesunken, Gaswaffen einzusetzen“. Als er von einem Journalisten gebeten wurde, diese offensichtlich absurde Aussage zu erklären, sagte Spicer. „Er [Hitler] brachte sie [seine Opfer] in Holocaust-Zentren, ich verstehe das“, aber Hitler habe Gas nicht „gegen seine eigenen Leute auf die gleiche Weise eingesetzt“ wie Assad.

Dass ein führender Vertreter des Weißen Hauses öffentlich eine derartige Aussage machen kann, legt die extreme Ignoranz, die Rückständigkeit und das vergiftete, rechte politische Klima bloß, das auf den höchsten Ebenen des amerikanischen Staates vorherrscht.

Hitler setzte chemische Waffen, vor allem Zyklon B, in massivem Umfang ein, um Millionen von europäischen Juden zu ermorden – nicht in „Holocaust Zentren“, sondern in Vernichtungslagern wie Auschwitz, Treblinka, Bełżec, Chełmno, Majdanek und Sobibór.

Vor dem industriellen Einsatz von Zyklon B in diesen Vernichtungslagern, der zur Jahreswende 1941-42 begann, vergaste die SS tausende Juden in mobilen Gaswagen in den besetzten Sowjetgebieten und im von den Nazis besetzten Polen. Insgesamt wurden etwa zwischen 2,5 und 3 Millionen Europäische Juden auf diese Weise umgebracht – ungefähr die Hälfte der insgesamt 6 Millionen Opfer des Genozids an den europäischen Juden. Darunter waren auch 200.000 Juden aus Deutschland. Hinzu kommen tausende von sowjetischen Kriegsgefangenen, Menschen mit geistigen Krankheiten sowie Sinti und Roma, die ebenfalls mit Zyklon B vergast wurden.

Nach einem öffentlichen Aufschrei sah sich das Weiße Haus gezwungen, das Statement zurückzuziehen und Sean Spicer entschuldigte sich öffentlich auf dem amerikanischen Fernsehsender CNN. Er sagte, er habe „fälschlicherweise einen unangemessenen und unsensiblen Bezug auf den Holocaust“ verwendet.

Der Vorfall ist auf vielerlei Eben aufschlussreich. Er unterstreicht den obszönen Charakter der gesamten Kampagne rund um die Regime-Change-Operation gegen Assad, die von Anfang an auf nichts als Lügen und dem Schüren von Hysterie beruhte. Während die amerikanischen Medien die Belagerung von Mossul praktisch ignoriert haben, obwohl diese hunderten von Zivilisten das Leben gekostet hat, stürzten sie sich auf den Chemiewaffenangriff in Syrien vergangene Woche, um die Kriegstrommel zu rühren.

Dabei ist nicht der geringste Beweis vorgelegt worden, wer für den Angriff verantwortlich ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich um eine imperialistische Provokation, die darauf abzielte, den Vorwand für eine Eskalation der Regime-Change-Operation in Syrien und verstärkte Kriegsvorbereitungen gegen Russland und den Iran zu liefern.

Man sollte auch nicht vergessen, dass viele der so genannten liberalen Medien, die die Aussagen von Spicer am Dienstag verurteilt haben, knietief in diese verlogene Kampagne involviert waren und schließlich auch Trumps kriminellen Angriff auf einen syrischen Flugplatz am Donnerstag unterstützten.

Dass Spicer nun soweit ging, den berüchtigsten Aspekt des Holocaust praktisch zu leugnen, ist mehr als ein Versprecher. Es ist ein Symptom für die Stimmungen, die nun im Weißen Haus dominieren, und von offener Indifferenz gegenüber den fürchterlichen Verbrechen des Nazi-Regimes bis hin zu mehr oder weniger offener Unterstützung für sie reichen.

Im Januar veröffentlichte das Weiße Haus unter Trump eine Erklärung zum Holocaust-Gedenktag, in dem die sechs Millionen ermordeten Juden ignoriert wurden. Das Weiße Haus schwieg auch wochenlang zu einer Welle von anti-semitischen Angriffen im Januar und Februar, bevor es ein kurzes Statement über „Vorurteile und das Böse“ veröffentlichte.

Die Trump-Kampagne hat von Anfang an wesentlich auf der Unterstützung von ultra-rechten Kräften und ihrer gezielten Ermunterung basiert. Die Verkörperung dieser Allianz ist der Chef-Stratege des Weißen Hauses, Stephen Bannon, der zuvor der Chefredakteur der ultra-rechten Website Breitbart News war, um das sich rechtsextremistische Gruppen sammeln, deren Ideologie von Anti-Semitismus und der Konzeption der Vorherrschaft der Weißen geprägt ist.

 

Siehe auch:

Die Hintergründe der antisemitischen und rassistischen Anschläge in den USA
[2. März 2017]

Angeblicher Giftgasangriff der syrischen Regierung: Eine imperialistische Provokation
[7. April 2017]