Warum unterstützt die New York Times den „Schwarzen Block“?

Von Bill Van Auken
9. Februar 2017

In ihrer Freitag-Ausgabe veröffentlichte die New York Times, die offiziöse Stimme des Establishments der Demokratischen Partei, einen außergewöhnlichen Artikel unter dem Titel „Anarchisten versprechen, Höhenflug der Rechten aufzuhalten. Notfalls mit Gewalt.“

Der Artikel, der vier Spalten auf der Titelseite der Zeitung einnimmt, wurde unter ein großes Foto eines schwarz Maskierten platziert, der mit einer Eisenstange ein Bürogebäude aufbrechen will. Aufgenommen wurde es während der Proteste von Dienstagabend an der University of California in Berkeley. Der Artikel liefert kostenlose PR für gewalttätige Proteste, die von Elementen organisiert wurden, die sich als „Schwarzer Block“, Antifaschisten und Anarchisten bezeichnen.

In dem Bericht der Times-Reporterin Farah Stockman finden sich nicht nur bewundernde Schilderungen sinnloser Gewaltakte dieser Elemente und lange und breite Äußerungen, in denen einzelne Personen vorgeben, diese Politik zu vertreten, sondern auch zahlreiche Links zu anarchistischen Webseiten sowie Twitter-Feeds des Schwarzen Blocks, die jedem Leser, der da mitmachen möchte, hilfsbereit zur Verfügung gestellt werden.

Stockman schreibt: „Da mit dem Aufstieg Donald Trumps rechtsextreme Gruppen in den Mainstream drängen, schworen die Antifaschisten und Anarchisten, sich ihnen bei jeder Gelegenheit und mit allen notwendigen Mitteln entgegenzustellen – auch mit Gewalt.“

Weiter heißt es in dem Artikel: „Anarchisten erklären zudem, ihre jüngsten Bemühungen hätten ungeheuren Erfolg, sowohl hinsichtlich der Aufmerksamkeit für ihr wichtigstes Argument – dass Trump eine faschistische Bedrohung darstelle –, als auch bei dem Ziel, andere zu verlocken, sich ihrer Bewegung anzuschließen.“ Es ist klar, dass sie und die Times entschieden haben, ihre Unterstützung für diese „Verlockung“ anzubieten.

Der Artikel erschien nur zwei Tage nach den Protesten in Berkeley, die aufgrund eines angekündigten Auftritts von Milo Yiannopoulos ausgebrochen waren. Yiannopoulos ist leitender Redakteur der rechtsextremen Breitbart News, deren vorheriger Boss, der Faschist Stephen Bannon, zu Trumps Chefstrategen im Weißen Haus ernannt wurde.

Tausende Studenten der Berkeley-Universität demonstrierten friedlich gegen den reaktionären Provokateur Yiannopoulos, der seine Reden mit Islamophobie, Rassismus und ultrarechtem Nationalismus spickt. Doch eine Minderheit von etwa 150 schwarz maskierten Demonstranten, die in einem amorphen Bündnis organisiert sind, das sich ANTIFA (für Antifaschismus) nennt, marschierte zum Campus und übte sinnlose Gewalttaten aus. Die überwältigende Mehrheit der Studenten auf der Demonstration lehnte dies ab.

Der ANTIFA-Trupp schlug Fensterscheiben ein, legte Feuer, schoss Feuerwerkskörper auf die Polizei ab, griff die wenigen Trump-Unterstützer auf dem Platz an und zerstörte anliegende Geschäfte, Gebäude und Geldautomaten.

Das Eingreifen dieser vermummten Vandalen verwandelte den Massenprotest in eine Polizeiprovokation.

Diese Aktionen waren genau das, was Yiannopoulos und seine Unterstützer haben wollten. Sie gestatteten ihnen, ihren giftgeifernden islam- und einwandererfeindlichen Rassismus in das Mäntelchen von „Redefreiheit“ zu hüllen. Trump reagierte mit der Drohung, der Berkeley-Universität staatliche Fördergelder zu streichen, und mehrere Politiker nutzten die Unruhen als Vorwand, Gesetze voranzutreiben, um wirkliche Proteste und Streiks zu unterdrücken.

Es gibt nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa und weltweit langjährige Erfahrungen mit der Gewalt von sogenannten „Schwarzen Blocks“, anarchistischen und ANTIFA-Demonstranten. Die Politik dieser Bewegungen ist durch und durch reaktionär und basiert auf der tief sitzenden Feindschaft gegenüber jeglichem Kampf zur Mobilisierung der Arbeiterklasse und der Jugend für einen unabhängigen Kampf gegen das kapitalistische System und für den Sozialismus. Sie ziehen demoralisierte und desorientierte Elemente aus der Mittelklasse an und daneben auch eine beträchtliche Zahl von Polizeiprovokateuren, die hinter Kapuzen und Masken versteckt, zur Gewalt anstacheln, um einen Vorwand für Repressionen zu liefern.

Aus naheliegenden Gründen wird diesen Kräften, wie bei den Demonstrationen von Dienstagabend in Berkeley, freie Hand für Provokationen gegeben, die die Polizei dann ausnutzen kann. Für jene, die an wirklichen politischen Aktionen gegen den Staat und das von diesem verteidigte kapitalistische System interessiert sind, ist es wichtig, die Provokateure zu erkennen und aus den Demonstrationen rauszuschmeißen, bevor sie ihre schmutzige Arbeit verrichten können.

Die Times indes scheint entschlossen, dafür zu sorgen, dass sie ihr dunkles Tagwerk weiter betreiben können. In ihrem Artikel findet sich auch dieser Satz: „Die Frage ist jetzt, ob der Einsatz der Anarchisten gegen Trump – ob nur farbenfroh und geistvoll oder gesetzlos und potenziell tödlich – ihrer Randbewegung in den nächsten Jahren eine größere Präsenz im Kampf der Ideen verschaffen werden.“

Nein, die wirkliche Frage ist, warum die Times diese „Randbewegung“ als eine Art ernsthaften Bewerber im „Kampf der Ideen“ anpreist.

Der Artikel, ebenso wie vieles andere, das auf den Seiten der New York Times erscheint, verströmt den Gestank schmutziger politischer Provokation.

Das Ziel, das die Times mit der Unterstützung solcher rückwärtsgewandter Tendenzen wie dem „Schwarzen Block“ und der selbsternannten Anarchisten verfolgt, besteht darin, die wachsende breite Radikalisierung, die sich als Reaktion auf die rechteste Regierung der US-amerikanischen Geschichte entwickelt, abzulenken und in sichere politische Kanäle zu leiten.

Unbeschadet aller Kosten für zerbrochene Fensterscheiben, beschädigte Geldautomaten und geplünderte Starbucks-Coffee-Shops, unterwerfen sich diese Kräfte der Demokratischen Partei und dem kapitalistischen System und dienen gleichzeitig der Polizei als nützliches Werkzeug bei der Unterdrückung von Massenprotesten.

Dies erklärt, warum eine Tageszeitung, die Hillary Clinton als Präsidentin empfohlen hat, die jeden von Washington geführten imperialistischen Krieg unterstützt und eine Kampagne im McCarthy-Stil für eine Konfrontation mit Russland geführt hat, zu einem enthusiastischen Förderer des Anarchismus wurde.