US-Militär nutzt Brüsseler Anschläge für Truppenaufstockung im Irak

Von Thomas Gaist
30. März 2016

Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten (DOD) nutzt die Terroranschläge in Brüssel, um erneut zusätzliche Truppen im Irak zu stationieren. Das machten Generalstabschef General Joe Dunford und Verteidigungsminister Ashton Carter letzten Freitag klar.

Die zusätzlichen Einheiten sollen die über 5.000 im Irak stationierten Soldaten ergänzen, die heute schon die von nominelle Obergrenze der Obama-Regierung von 3.800 Soldaten deutlich übertreffen. Mehr Soldaten könnten schon innerhalb der nächsten Wochen in den Irak aufbrechen.

„Wir haben mehrere Empfehlungen, die wir in den kommenden Wochen mit dem Präsidenten besprechen wollen. Sie würden es uns ermöglichen, unsere Unterstützung für die irakischen Sicherheitskräfte zu verstärken“, sagte General Dunford im Pentagon. „Der Minister und ich glauben, dass es in den nächsten Wochen eine Erhöhung der Truppenzahl im Irak geben wird, aber die Entscheidung ist noch nicht getroffen worden“.

Verteidigungsminister Carter erklärte auf dem gleichen Treffen: „Wir erweitern sowohl das Gewicht, als auch die Art unserer Angriffe“. Die USA würden „wichtige Schritte“ in der Vorbereitung auf „entscheidende Kämpfe in den kommenden Monaten“ ergreifen.

Diese „wichtigen Schritte“ der US-Truppen beinhalten tägliche Luftschläge und Artilleriebeschuss in der Vorbereitung auf umfassende Angriffe auf Mossul und andere wichtige irakische Städte. Am Montag bombardierte die amerikanische Luftwaffe zehn Gebiete in und um die irakischen Städte Mossul, Kaiiarah, Sindschar und Sultan Abdullah.

Hunderte US-Marines sind Anfang dieses Monats heimlich in einem neuen Artilleriestützpunkt nahe Makhmur im Norden des Irak stationiert worden. Sie beschießen täglich Dörfer in der Umgebung von Mossul. Die irakische Armee evakuierte am Montag zwangsweise ca. 2.500 Zivilisten aus Dörfern südlich von Mossul, unter anderem Mahana, Kudila und Kharbardan, teilte die irakische Armee mit.

Zu Beginn der jüngsten US-geführten Intervention im Irak, der sogenannten „Internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat“ im September 2014, versicherte die Obama-Regierung, dass die amerikanische Intervention auf Luftschläge und eine minimale Rolle am Boden begrenzt sein werde. Es würde nur eine geringe Zahl an „Beratern“ innerhalb der irakischen Einheiten eingesetzt werden.

In den folgenden zwei Jahren nahmen die amerikanischen Operationen zu und die ursprüngliche Ankündigung wurde Schritt für Schritt zurückgenommen. Mittlerweile gehört es zur Normalität, dass Militärkommandeure regelmäßig Pläne für eine immer größere Ausweitung und Aufrüstung der US-Einheiten in diesem Krieg bekannt geben, ohne dass die zivile Führung konsultiert oder auch nur informiert werden würde.

Im vergangenen Juni enthüllte das Pentagon Pläne für die dauerhafte Stationierung amerikanischer Bodentruppen im gesamten Irak auf so genannten „Lily Pads“ (Seerosen). Unter dem Code-Namen wächst ein ganzes Netzwerk von Militärbasen auf dem amerikanische Kampfdrohnen und Kommandoeinheiten stationiert werden. Im Dezember gab Verteidigungsminister Carter bekannt, dass eine Sondereinheit für die Zielfahndung (JSOC) zusammengestellt werde. Das ist im Wesentlichen ein bestens ausgerüstetes und finanziertes Sonderkommando für Mordanschläge, Kidnapping und andere illegale Operationen.

Die immer stärkere Ausweitung von Bodenoperationen ging mit einer gnadenlosen Bombenkampagne einher. Flugzeuge der US-geführten Koalition haben seit Beginn des Luftkriegs im August 2014 mehr als 7.300 Angriffe auf den Irak geflogen.

Die militärische Gewalt der USA gegen den Irak im Namen des Kampfs gegen den Islamischen Staat (IS) steht in einer Reihe mit den früheren Angriffskriege auf das Land.

Die endlosen Kriege gegen den Irak sind das Produkt des geopolitischen Kampfs des US-Imperialismus um die führende Rolle in der Welt. Wie al-Qaida ist auch der IS im Wesentlichen ein Geschöpf der amerikanischen Militärinterventionen selbst. Gleichzeitig dient er als Vorwand für weitere militärische Maßnahmen, um die amerikanische Vorherrschaft im ölreichen Nahen Osten durchzusetzen.