Die Gräueltaten des IS und der Soziozid durch die Kriege der USA

27. August 2015

Am Dienstag tauchten in sozialen Netzwerken Bilder auf, die die Zerstörung des zweitausend Jahre alten Tempels des Baal-Schamin in der syrischen Stadt Palmyra durch den Islamischen Staat (IS) belegen. Darauf ist zu sehen, wie IS-Kämpfer Sprengladungen in dem antiken Gebäude verteilen und zünden. Dann bricht der Tempel zusammen.

Eine Woche vor der vorsätzlichen Zerstörung des Tempels – eines der wichtigsten kulturellen Zentren der antiken Welt und einer der am besten erhaltenen griechisch-römischen Ruinen – wurde Professor Khaled Assad auf brutale Weise ermordet. Der 82-jährige syrische Archäologe war an der Ausgrabung und Restauration von Palmyra beteiligt und dort mehr als ein halbes Jahrhundert lang für die Antiquitäten verantwortlich gewesen. Er wurde vom IS enthauptet, als er sich weigerte, ihm bei der Plünderung der Ruinenstadt zu helfen.

Die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung und Kultur, verurteilte die Gräueltaten zurecht als „Kriegsverbrechen“ und forderte, die Verantwortlichen „für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen“.

Zweifellos sind die Verantwortlichen für diese Taten und noch blutigere Gräueltaten gegen die syrische Bevölkerung Verbrecher und müssen zur Verantwortung gezogen werden. Das Problem bei dem Vorhaben, die Hauptverantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, ist jedoch die Tatsache, dass es sich dabei um die früheren und derzeitigen obersten Amtsträger im Weißen Haus, dem Pentagon und der CIA handelt.

Sie waren es, die ein Land des Nahen Ostens nach dem anderen verwüsteten und dabei mit den islamistischen Kräften zusammenarbeiteten, die nun im IS vereint sind, um säkulare arabische Regierungen zu stürzen.

Das historische Vorbild für die systematische Zerstörung von kulturellem Erbe sind das Pol Pot-Regime und die Roten Khmer in Kambodscha von 1975-79. Das Regime machte sich daran, das kulturelle Erbe des Landes auszulöschen und mit Terror und Massenmord über die Bevölkerung zu herrschen.

Die Ähnlichkeiten zwischen dem IS und den Roten Khmer beschränken sich nicht auf ihre barbarischen Angriffe auf Kultur und Menschenleben. In beiden Fällen machte die Zerstörung ganzer Gesellschaften durch den US-Imperialismus ihre Gräueltaten erst möglich.

Im Falle Kambodschas warfen amerikanische Flugzeuge in vier Jahren 532.000 Tonnen Sprengstoff auf das Land ab, mehr als dreimal so viel wie auf Japan während des Zweiten Weltkrieges. Die Zahl der Todesopfer durch diesen Bombenkrieg wird auf bis zu 600.000 geschätzt. Zwei Millionen der insgesamt sieben Millionen Einwohner des Landes verloren Dach über dem Kopf und die Wirtschaft wurde zerstört.

Der IS und das derzeitige Blutvergießen in Syrien und dem Irak sind direkte Folgen ähnlicher Taten des US-Imperialismus. Im Irak forderte der illegale Einmarsch der USA im Jahr 2003, die anschließende Besatzung und die systematische Zerstörung einer der zuvor modernsten Gesundheitssysteme und am höchsten entwickelten sozialen Infrastruktur in der arabischen Welt mehr als eine Million irakische Todesopfer. Fünf Millionen wurden zu Flüchtlingen gemacht. Das Pentagon schürte im Rahmen seiner Strategie des „Teile und herrsche“ einen religiösen Bürgerkrieg und manipulierte bewusst die Spannungen zwischen den schiitischen und sunnitischen Teilen der Bevölkerung.

Die Folgen dieser Politik gehen weit über den Irak hinaus. Washington nimmt katastrophale Folgen in Kauf, um seine Hegemonie über die rohstoffreichen Regionen des Nahen Osten und Mittleren Ostens und Zentralasiens zu stärken.

Zu diesem Zweck führen die USA seit über 35 Jahren Krieg. Es begann mit dem Sturz der pro-sowjetischen Regierung in Afghanistan und der Einsetzung eines neuen Regimes. Dabei arbeitete die CIA eng mit islamistischen Kräften zusammen, unter ihnen Osama bin Laden und die anderen Gründer von al-Qaida.

Neun Monate nachdem im Dezember 2011 die letzten US-Truppen aus dem Irak abgezogen worden waren, begannen Washington und seine Nato-Verbündeten einen weiteren illegalen Angriffskrieg. Nun ging es darum, die Regierung von Muammar al-Gaddafi in Libyen zu stürzen und ein Marionettenregime in diesem ölreichen nordafrikanischen Land an die Macht zu bringen. Die Zerstörung des libyschen Staats und die Ermordung Gaddafis stürzten das Land ins Chaos, das bis heute andauert.

Dann schmuggelten die USA mit Hilfe der CIA islamistische Milizen als Stellvertretertruppen und tonnenweise erbeutete Waffen aus Libyen nach Syrien. Sie heizten damit einen Bürgerkrieg an, der den IS stärkte und ihn in die Lage versetzte, mehr als ein Drittel des Irak zu erobern.

Nun organisiert Washington im Namen seines endlosen „Kriegs gegen den Terror“ zusammen mit der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad eine neue Militäraktion in den mehrheitlich sunnitischen Regionen des Irak. Gleichzeitig verschärft es in Syrien seine gemeinsamen Militäroperationen mit der Türkei und versucht, „gemäßigte“ sunnitische Islamisten zu finden, die es als Hilfstruppen in seinem Krieg zum Sturz der Regierung von Präsident Baschar al-Assad einsetzen kann.

Die New York Times veröffentlichte am Dienstag einen langen Artikel über eine interne Debatte innerhalb der Obama-Regierung über die Frage, ob Ahrar al-Sham, eine sunnitische Miliz mit Beziehungen zu al-Qaida, direkter unterstützt werden sollte. Die Gruppe wird bereits von wichtigen Verbündeten der USA, der Türkei und Katar, unterstützt.

Die schrecklichen Folgen der jahrzehntelangen Kriege der USA werden jetzt auch in Europa spürbar: eine Welle zunehmend verzweifelter Flüchtlinge flieht aus ihren Heimatländern, nachdem diese von Washington und seinen Verbündeten in Schlachtfelder verwandelt wurden.

Politisch und moralisch sind die US-Regierung und ihre höchsten Funktionäre, allen voran Bush und Obama, vollständig für die Verbrechen, die Gräueltaten und das menschliche Leid verantwortlich, das ihre zahlreichen Angriffskriege verursachen.

Keiner von ihnen wurde zur Verantwortung gezogen. Als Vertreter und Verteidiger einer Oligarchie müssen sie sich unter den derzeitigen politischen Bedingungen nicht vor der amerikanischen Bevölkerung verantworten. Vielmehr wird der Widerstand in der Bevölkerung gegen den Krieg regelmäßig ignoriert.

Es ist die Aufgabe der Arbeiterklasse, die Kriegsverbrecher zur Verantwortung zu ziehen und den endlosen Kriegen und der wachsenden Gefahr eines dritten Weltkriegs ein Ende zu setzen. Dazu muss sie eine unabhängige Massenbewegung gegen Krieg aufbauen, sich mit einem internationalen sozialistischen Programm bewaffnen und den Kapitalismus stürzen.

Bill Van Auken