Angriffe im Jemen verursachen humanitäre Katastrophe

Von Niles Williamson
9. April 2015

Die Vereinten Nationen warnten am Montag, die andauernden Kämpfe im Jemen und der von Saudi-Arabien angeführte und von den USA unterstützte Luftkrieg hätten „unerträgliche Folgen“ für die dort lebenden Kinder.

Laut UNICEF wurden seit Beginn der Luftangriffe vor fast zwei Wochen mindestens 74 Kinder getötet und 44 verwundet. In Wirklichkeit liegt die Zahl der getöteten Kinder vermutlich viel höher und wird noch weiter ansteigen, da sich die Luftangriffe gegen zivile Ziele in Stadtgebieten im ganzen Land richten.

Der UNICEF-Verantwortliche für den Jemen, Julien Harneis, erklärte am Montag: „Kinder zahlen einen untragbar hohen Preis für diesen Konflikt. Sie werden getötet, verwundet und gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen. Ihre Gesundheit wird gefährdet und ihre Erziehung unterbrochen.“

Oxfam-Direktor im Jemen Grant Pritchard warnte, dass ohne einen Waffenstillstand „in den nächsten Wochen und Monaten eine humanitäre Katastrophe“ drohe. Bereits vor Beginn der Kämpfe waren sechzehn Millionen Jemeniten von humanitärer Hilfe abhängig; 53 Prozent der Bevölkerung – etwa dreizehn Millionen Menschen – hatten keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Die Luftangriffe begannen am 26. März, nachdem Houthi-Rebellen, die im Januar die Hauptstadt Sanaa erobert hatten, auf den Wohnkomplex von Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi in der südwestlichen Hafenstadt Aden vorrückten.

Seither haben die Luftangriffe und Bodenkämpfe zwischen der Houthi-Miliz und Teilen des Militärs, sowie verfeindeten Stammeskräften, hunderte Todesopfer gefordert.

Hadi wurde 2012 von den sunnitischen Monarchien des Golf-Kooperationsrates als Präsident eingesetzt, um den Massenaufstand gegen die Saleh-Regierung zu beschwichtigen. Da Hadi keinen wirklichen Rückhalt in der Bevölkerung hatte, floh er nach Saudi-Arabien, als die Houthi ihren Angriff auf Aden begannen.

Das saudische Regime hat dem Iran vorgeworfen, er unterstütze die Houthi, um seinen Einfluss in der Region zu vergrößern. In Wirklichkeit hat Saudi-Arabien selbst durch seine Intervention im Jemen und seine Kampagne gegen die schiitischen Zaiditen, die ein Drittel der Gesamtbevölkerung und die Hälfte der Bevölkerung im Norden des Landes ausmachen, einen Großteil dazu beigetragen, die Houthi-Rebellion zu provozieren. Die Houthi haben zwar in geringem Umfang Unterstützung vom Iran erhalten, werden aber weder von ihm kontrolliert, noch als Stellvertreter benutzt. Bei den derzeitigen Kämpfen erhalten sie auch Unterstützung von Teilen des Militärs, die noch auf Salehs Seite stehen.

Die Luft- und Bodenangriffe dauern erst seit weniger als zwei Wochen an, aber es wurden bereits mehr als 100.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Da sich die Luftangriffe gegen Stadtgebiete im ganzen Land richten, u.a. gegen Sanaa, die Houthi-Hochburg Sadaa, die westjemenitische Hafenstadt Hodeida und Aden, sind viele Menschen in ländliche Gebiete geflohen.

Eine Koalition aus Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, Kuwait, Jordanien und Ägypten fliegt die Luftangriffe. Die Türkei und Pakistan unterstützen die Angriffe, beteiligen sich aber nicht direkt daran.

Die US-Regierung unterstützt die brutale Militäraktion durch Geheimdienstinformationen und logistische Hilfe. Das Pentagon kündigte diese Woche an, die USA würden ihre direkte Beteiligung verstärken, indem sie Treibstoff für die Flugzeuge liefern, die sich an den Luftangriffen beteiligen.

Colonel Steve Warren von der US Army erklärte am Montag vor Reportern in Washington, das Pentagon werde Tankflugzeuge zur Verfügung stellen, um Flugzeuge der Koalitionsstreitkräfte außerhalb des jemenitischen Luftraums zu betanken. „Es wurde genehmigt und das Gerät dazu ist vor Ort. Die Saudis haben das nicht beantragt. Es werden auch keine Betankungen über dem Jemen stattfinden, sondern über Saudi-Arabien oder anderswo“, erklärte er.

Der stellvertretende Außenminister Antony Blinken erklärte während eines diplomatischen Besuchs in der saudischen Hauptstadt Riad, die Obama-Regierung weite ihre Unterstützung für den Angriff aus, indem sie die Waffenlieferungen an Saudi-Arabien und andere Länder der Koalition forciere.

Blinken erklärte: „Im Rahmen unserer Bemühungen haben wir Waffenlieferungen beschleunigt, den Austausch von Geheimdienstinformationen ausgebaut und eine gemeinsame Koordinations- und Planungszelle im saudischen Operationszentrum eingerichtet.“

Mit „Austausch von Geheimdienstinformationen“ meint Blinken, dass Saudi-Arabien Daten von amerikanischen Überwachungsflügen über dem Jemen erhält, um Angriffsziele zu bestimmen. Damit ist Washington direkt mitschuldig am Massaker an jemenitischen Zivilisten.

Bereits vor Beginn der Offensive waren im Jemen Ernährungsunsicherheit und Unterernährung unter den ärmsten Bevölkerungsschichten weit verbreitet. Seither haben sich die Bedingungen noch deutlich verschlechtert. Laut der Weltbank lebte im Jahr 2012 mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Jemen in Armut, 45 Prozent litten unter Ernährungsunsicherheit.

Luftschläge und Bodenkämpfe haben die Stromversorgung zerstört. Es kommt in vielen Stadtgebieten zu Stromausfällen, was dazu führt, dass die Pumpen nicht mehr funktionieren, welche die Städte mit Trinkwasser versorgen. „Wir befürchten, dass dieses System in Kürze zusammenbrechen wird. Aden ist ein trockener, heißer Ort und ohne Wasser werden die Menschen dort wirklich leiden,“ warnte Harneis.

Hilfskräfte konnten viele Orte, an denen Kämpfe stattfanden, nicht erreichen. Die Krankenhäuser sind überfüllt mit Toten, Leichen liegen verwesend auf den Straßen und Krankenhäuser und Hilfskräfte wurden außerdem mehrfach angegriffen. Dabei wurden mindestens drei Helfer bei unterschiedlichen Angriffen getötet.

„Die Bedingungen sind momentan sehr gefährlich,“ erklärte Doktor Gamila Hibatullah, ein UNICEF-Freiwilliger in Aden. Die Krankenhäuser seien überfüllt, und es seien sogar Krankenwagen entführt worden.

Am Dienstag meldeten jemenitische Behörden drei weitere Todesopfer. Schüler sind bei einem saudischen Luftangriff auf die Al Bastain-Schule in Maitam, 160 Kilometer südlich von Sanaa, getötet wurden. Das Ziel der Luftangriffe war angeblich der Militärstützpunkt Al Hamza, der etwa einen halben Kilometer von der Schule entfernt liegt und von Houthi-Milizen erobert worden war. Aus dem Stützpunkt wurden keine Todesopfer gemeldet.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz gab am Dienstag bekannt, es habe von Saudi-Arabien endlich die Erlaubnis bekommen bis Mittwoch sechzehn Tonnen medizinische Hilfsgüter aus dem jordanischen Amman nach Sanaa einzufliegen, und weitere 32 Tonnen Hilfsgüter bis Donnerstagnachmittag. Aufgrund der Flugverbotszone und der Blockade, die Saudi-Arabien und seine Koalitionspartner verhängt haben, konnten in den letzten zwei Wochen praktisch keine medizinischen Hilfsgüter und Vorräte ins Land kommen, was die Krise weiter verschärft hat.