Amerikas „schmutzige Brigaden“ im Irak

18. März 2015

Im August letzten Jahres äußerten die Regierung der Vereinigten Staaten und die Medien moralische Empörung über die Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley durch den Islamischen Staat (IS). Dieser Mord diente dazu, den Krieg zu rechtfertigen, der in der Woche zuvor gegen den IS im Irak begonnen und kurz danach nach Syrien ausgeweitet worden war. Präsident Barack Obama verurteilte die Hinrichtung Foleys als „eine Gewalttat, die das Gewissen der Welt schockiert“.

Jetzt ist bekannt geworden, dass Obama und anderen Vertretern der USA zur gleichen Zeit, als sie sich entsetzt über die Gräueltaten des IS zeigten, Foto- und Videobeweise für ähnliche Verbrechen ihrer eigenen Verbündeten vorlagen. Diese im Irak massenhaft verübten Gräueltaten wurden mit Hilfe der Medien vertuscht.

Wie ABC News vergangene Woche berichtete, ermittelt die irakische Regierung wegen Kriegsverbrechen gegen irakische Einheiten und schiitische Milizen, die von den Vereinigten Staaten ausgebildet und bewaffnet wurden. Dabei geht es um Folter an sunnitischen Gefangenen und standrechtliche Hinrichtungen, in vielen Fällen durch Enthauptung, und um Totenschändung. ABC wusste seit September letzten Jahres von diesen Verbrechen, als der Sender auf ein Online-Video stieß, das ein Mitglied der irakischen Sicherheitskräfte gepostet hatte. Es zeigt, wie einem gefesselten Gefangenen in den Kopf geschossen wird.

Berichten zufolge eröffnete die irakische Regierung eine Untersuchung, nachdem ein ABC News Journalist Beweise dafür vorgelegt hatte, dass „uniformierte Soldaten irakischer Eliteeinheiten und Milizionäre Zivilisten ermordeten, Gefangene folterten und hinrichteten und abgehauene Köpfe in die Kamera hielten“.

Zahlreiche von ABC vergangene Woche gepostete Bilder zeigen Soldaten in der Uniform der irakischen Sondertruppen und der Emergency Response Brigade, die dem irakischen Innenministerium unterstehen, wie sie mit abgeschlagenen Köpfen posieren. Andere zeigen irakische Sondereinheiten, wie sie Leichen hinter ihren Humvees her schleifen. Ein anderes Bild zeigt einen Toten, der am Wachturm einer Militärbasis hängt.

Als Reaktion auf die Enthüllung von Kriegsverbrechen ihrer Stellvertreter im Irak erklärte die Obama-Regierung: „Wenn sich diese Anschuldigungen als zutreffend herausstellen, müssen die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.“

Solche Erklärungen sind wertlos. Während alle Zeitungen detailliert über die Verbrechen des IS berichten, erfährt man von der amerikanischen Regierung und den Medien so gut wie nichts von den Aktivitäten der amerikanischen Verbündeten. Die New York Times hat bisher noch keine Zeile über die jüngsten Enthüllungen gebracht.

Die übrigen Medien haben den Bericht der ABC begraben – genau wie damals die Fotos über Folter der CIA und des Militärs vor elf Jahren im Irak, im Gefängnis Abu Ghraib. Die Obama-Regierung hält weiterhin mehr als zweitausend Fotos unter Verschluss, die amerikanische Soldaten bei Folter, Vergewaltigung und Mord an irakischen und afghanischen Gefangenen zeigen.

Die Hauptverantwortung für die Verbrechen nicht nur des irakischen Militärs, sondern auch des IS, tragen die amerikanische Regierung und ihr Militär.

Vor der Invasion und Besetzung des Irak durch die USA 2003 gab es in dem Land keine religiös motivierten Kämpfe, und al-Qaida hatte keine nennenswerte Präsenz. Die Verheerung durch jahrzehntelange Sanktionen, Krieg und Besatzung haben das Land ins Chaos gestürzt. Gleichzeitig haben die USA absichtlich religiöse Spaltungen nach dem Motto der imperialistischen Strategie des „Teile und Herrsche“ geschürt.

Die USA setzten eine religiös basierte schiitische Regierung ein und finanzierten und trainierten die schiitisch dominierte Armee, um das sunnitisch geprägte Regime des gestürzten Herrschers Saddam Hussein zu zerschlagen. Gleichzeitig hielt die CIA engen Kontakt mit der sunnitischen al-Qaida, inklusive ihres Ablegers im Irak, der einen konfessionellen Krieg gegen das schiitische Regime führte. Das Ergebnis waren zehntausende tote Zivilisten. Die Beziehungen der CIA zu al-Qaida gehen bis auf die Ursprünge dieser Terrororganisation in den 1980er Jahren zurück. Damals finanzierte und bewaffnete die CIA Mudschaheddin-Milizen, um gegen die pro-sowjetische Regierung und russische Truppen in Afghanistan zu kämpfen.

Im Luftkrieg 2011, den die USA anführten, und der mit dem Sturz und der Ermordung von Muammar Gaddafi endete, setzten die Vereinigten Staaten islamistisch-dschihadistische Kräfte als ihre Stellvertretertruppen am Boden ein. Darunter befanden sich auch „Rebellenführer“, die zuvor im US-Gefangenenlager Guantánamo gesessen hatten. Gleichzeitig versorgten die USA und ihre regionalen Verbündeten al-Qaida-Gruppen in Syrien wie die al-Nusra-Front und mehrere Vorläufer des IS mit Waffen. Dies war Bestandteil des Kriegs, den die USA führten, um das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu stürzen.

Vergangenes Jahr richteten sich die Milizen, die in Syrien von den USA unterstützt und bewaffnet worden waren, gegen die Vereinigten Staaten und ihr Marionettenregime im Irak. Der IS unternahm eine Offensive über die Grenze hinweg, eroberte weite Landstriche im Nordirak und bedrohte die labile, US-gestützte Ordnung im Irak. Seither haben irakische Sondereinheiten und schiitische Milizen den Auftrag, den IS aus dem Land zu jagen und zurück nach Syrien zu drängen. Im Verlauf dieser Kämpfe wird die sunnitische Bevölkerung im Norden und Westen des Irak terrorisiert.

Die Gräueltaten der irakischen Regierung im Kampf gegen den IS entlarvt die westliche Kriegspropaganda. Es ist kein Krieg zwischen Gut und Böse, sondern ein Konflikt zwischen reaktionären Kräften. Die Verantwortung dafür liegt bei der räuberischen imperialistischen Politik der Vereinigten Staaten.

Ihr Ziel besteht darin, die amerikanische Hegemonie im Nahen Osten, in Zentralasien und in Nordafrika zu festigen. Neben ihrem enormen Ölreichtum ist die Region auch wegen ihrer zentralen geostrategischen Lage von höchster Bedeutung. Sie spielt eine Schlüsselrolle bei der Offensive des amerikanischen Imperialismus gegen seine regionalen und globalen Rivalen, besonders gegen Russland und China.

Niles Williamson