Amerikanische Bomben töten Ölarbeiter in Syrien

Von Bill Van Auken
12. März 2015

Am Sonntag kamen bei einem amerikanischen Luftangriff auf eine syrische Ölraffinerie nahe der türkischen Grenze mindestens 30 Menschen ums Leben. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte waren darunter viele Ölarbeiter.

Die Raffinerie, die nordöstlich der syrischen Stadt Tall Abyad liegt, wurde offenbar angegriffen, weil sie vom Islamischen Staat (IS) erobert worden war, gegen den sich Washingtons jüngste Militärintervention in der Region angeblich richtet.

Der IS hat einen Großteil von Nord- und Ostsyrien unter seine Kontrolle gebracht, wo ein großer Teil der Ölförderung des Landes konzentriert ist. Vor ihrem Vorstoß in den Nachbarstaat Irak im letzten Juni hatte sich der IS zur stärksten islamistischen „Rebellengruppe“ entwickelt, die von Washington und seinen regionalen Verbündeten unterstützt wurden, um durch einen Bürgerkrieg die Regierung von Präsident Baschar al-Assad zu stürzen.

Ein Sprecher der US Combined Joint Task Force für die Operationen in Syrien und im Irak äußerte sich gegenüber Reuters verklausuliert zu zivilen Opfern.

„Wenn ein Vorwurf, die Streitkräfte der USA oder der Koalition hätten zivile Todesopfer gefordert, als glaubwürdig erachtet wird, würde eine gründliche Untersuchung durchgeführt werden, um die Richtigkeit der Behauptung und die Umstände, unter denen es dazu kam, zu ermitteln.“ Er fügte hinzu, das US-Militär unternehme „bei der Auswahl der Ziele und bei der Durchführung von Operationen erhebliche Anstrengungen zur Gefährdungseindämmung vor“, um die Möglichkeit „von zivilen Todesopfern und Kollateralschäden zu verringern“.

Das Pentagon behauptet, in sieben Monaten seien im Irak und Syrien 8700 „Aufständische“ durch amerikanische Luftangriffe getötet worden, gibt aber weder eine Einschätzung darüber ab, wie viele Zivilisten dabei ums Leben gekommen sind, noch eine Erklärung dafür, wie es zwischen diese beiden Gruppen zuverlässig voneinander unterscheidet.

Die Zahl der getöteten IS-Kämpfer stammt von Washingtons oberstem Militärkommandanten, dem Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs, General Martin Dempsey. Er nannte sie am Montag bei einem Überraschungsbesuch in Bagdad.

Dempsey prahlte zwar mit den Auswirkungen der amerikanischen Luftschläge, erklärte aber auch während eines Besuchs auf einem französischen Flugzeugträger im Persischen Golf, dass „Flächenbombardements im gesamten Irak nicht die Antwort“ seien und forderte, die Angriffe müssten „sehr präzise“ sein, um „zusätzliche Opfer“ zu vermeiden.

Die USA bräuchten „strategische Geduld“, um die von den USA ausgebildete irakische Armee wieder aufzubauen, die im letzten Sommer angesichts der Offensive des IS zusammengebrochen war. Dabei müssten „grundlegende Probleme“ gelöst werden, fügte er hinzu.

Nach Treffen mit dem irakischen Premierminister Haider al-Abadi und Verteidigungsminister Chalid al-Obeidi am Montag lies Dempsey durchblicken, dass das „grundlegende Problem“, das Washington am meisten beschäftigt, die zunehmende Abhängigkeit des irakischen Regimes von militärischer Unterstützung durch den Iran ist.

„Ich versuche zu klären, ob die kurzfristige Annahme von iranischer Unterstützung eine Reaktion auf die starke Bedrohung [des IS] ist, oder etwas Langfristigeres“, erklärte Dempsey gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press.

Zuvor hatte er Bedenken geäußert, dass es schwierig werde, die Koalition gegen den IS zusammenzuhalten. Sie besteht unter anderem aus reaktionären sunnitischen Monarchien wie Saudi-Arabien und Katar, die zuvor die wichtigsten Geldgeber des IS und anderer islamistischer Milizen waren, die gegen das vom Iran unterstützte Regime in Syrien kämpfen.

Der Iran spielt eine wichtige Rolle als Unterstützer der 30.000 Mann starken Streitmacht aus schiitischen Milizen, die eine Offensive durchführen, um die überwiegend sunnitische Stadt Tikrit zurückzuerobern. Tikrit ist der Geburtsort von Saddam Hussein, der nach dem amerikanischen Einmarsch im Irak 2003 gestürzt und schließlich ermordet wurde. Berater aus dem Iran sind direkt an dem Angriff beteiligt, und das Land unterstützt die Offensive mit Artillerie und direkten militärischen Hilfslieferungen. US-Truppen spielen bei der Offensive nur eine indirekte Rolle.

Die Belagerung von Tikrit gilt als wichtige strategische Vorbereitung für einen Angriff auf Mossul, die zweitgrößte Stadt des Irak im Norden des Landes, die im letzten Sommer vom IS erobert wurde. Am Montag wurden im Norden, Süden und Westen von Tikrit Kämpfe gemeldet.

Eine der Städte, die am Sonntag von pro-irakischen Regierungstruppen erobert wurde, war Albu Ajil. Sunnitische Stammesangehörige aus der Stadt werden beschuldigt an einem Massaker des IS an hunderten überwiegend schiitischen Rekruten eines nahegelegenen Stützpunkts der irakischen Armee beteiligt gewesen zu sein. Mindestens ein Milizkommandant bezeichnete die Offensive gegen Tikrit als Racheakt, und es wurden mögliche religiös motivierte Vergeltungsaktionen befürchtet.

Mehrere sunnitische Einwohner des Gebiets sind vor dem Angriff nach Samarra geflohen. AFP sprach mit dem 50-jährigen Bauern Abu Alaa, der sagte: „Ich habe meine Schafe und Kühe zurückgelassen. Wir hatten nichts mit [dem IS] zu tun, wir wurden unterdrückt.“ Er berichtete, dass die Geflüchteten einen Tag lang von schiitischen Milizionären festgehalten und verhört wurden, bevor sie ihre Reise fortsetzen konnten.

Amerikanische Regierungsvertreter hatten zwar scheinheilig gewarnt, eine Beteiligung des Iran an der Offensive gegen Tikrit werde religiöse Spannungen verschärfen, allerdings unterstützten amerikanische Kampfflugzeuge und Berater eine Offensive kurdischer Kämpfer gegen den IS außerhalb der ölreichen Stadt Kirkuk im Norden. Kurdische Truppen übernahmen während der IS-Offensive im letzten Juni nach der Auflösung der irakischen Armee die Kontrolle über die Stadt. In Kirkuk bestehen heftige religiöse Spannungen, die durch den Kampf um die Kontrolle über die Ölvorräte noch verschärft werden. Die Bevölkerung, die aus Kurden, Arabern, Assyrern und Turkmenen besteht, ist untereinander zerstritten.

Dempsey gab zu, dass die USA gerade erst damit angefangen hätten, die irakische Armee neu auszubilden. Der General, der die Ausbildung einer irakischen Marionettenarmee unter der amerikanischen Besatzung des Landes geleitet hatte, deutete an, dass das Pentagon versuche, die irakische Armee von Kommandanten zu säubern, die es für unzuverlässig hält. Gleichzeitig gab er zu, dass die USA nicht genügend Rekruten finden.

Er erklärte: „Vom militärischen Standpunkt aus war mir klar, dass noch immer einige Anführer ersetzt werden müssen. Immer noch herrscht ein Mangel an Rekruten. Es gibt auch noch immer Fälle, in denen diese Rekruten nicht rechtzeitig bezahlt oder richtig ausgerüstet werden.“

Forderungen aus dem Kongress nach der Entsendung weiterer US-Truppen als Ausbilder und „Berater“ der irakischen Truppen wies Dempsey zurück. „Wir haben Ausbilder und Berater“ erklärte er und meinte damit die fast 2.700 US-Truppen, die bereits im Land sind.