Stimmen von Teilnehmern: "Die Charlie-Hebdo-Kampagne wird benutzt, um die Meinungsfreiheit zu unterdrücken!"

Von unseren Reportern
21. Januar 2015

Der eindrucksvolle Vortrag und die lebendige Diskussion auf der Abschlussveranstaltung der IYSSE veranlassten zahlreiche Teilnehmer zu Gesprächen nach der Veranstaltung. Die WSWS fing einige der Stimmen ein.

Christian und Dominik sind in der dreizehnten Klasse der Kant-Schule in Berlin-Steglitz und bereiten sich auf das Abitur vor. Christian hat sich schon länger mit der politischen Situation beschäftigt, vor allem mit der Kriegsentwicklung. Dabei hat er sich vor allem auf Informationsquellen im Internet gestützt. „Als ich dann den Flyer des IYSSE-Seminars in die Hand bekam und gelesen habe, wusste ich: Da muss ich hin.“

IYSSE-Kandidat Sven Wurm diskutiert mit Teilnehmern der Veranstaltung

Die offiziellen Medien hätten im vergangenen Jahr über die Ereignisse in der Ukraine irreführend berichtet und „Russland in jeder Hinsicht als Feind gezeigt,“ erklärt Christian. Auch die Dokumentaraufnahmen über russische Soldaten in der Ostukraine seien verfälschend. „Selbst wenn russische Soldaten dort sind, stellt niemand in den Medien die Frage, warum.“ Zur Rolle Deutschlands in der Ukraine ergänzt Christian: „Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat Millionen an Klitschko gezahlt und hinter den Kulissen den Putsch in Kiew unterstützt.“ Ein Krieg mit Atomwaffen müsse unbedingt verhindert werden.

Dominik, in Petersburg geboren und seit seinem vierten Lebensjahr in Deutschland, pflichtet ihm bei. „Ich bin zu dieser Veranstaltung gekommen, weil ich die Welt besser verstehen will. Wir leben in einer Zeit, in der man hellwach sein muss. Man darf sich nicht zurücklehnen“, sagt er mit Nachdruck. Die Kriegspolitik der Nato in der Ukraine seit dem letzten Jahr hat ihn alarmiert. Mit der Ausdehnung des Nato-Gebiets an die russische Grenze werde „Russland provoziert“. Indem Deutschland die Ukraine in die EU und als nächsten Schritt in die Nato ziehe, würden in allen an Russland angrenzenden Ländern Nato-Vorposten errichtet.

Beide sprechen sich gegen die Kampagne nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo im Namen der „Meinungsfreiheit“ aus, die auf der Veranstaltung ausführlich diskutiert wurde. Es seien in Wirklichkeit die Regierungen selbst, die die Meinungsfreiheit einschränkten, um die Bevölkerung über ihre politischen Ziele zu täuschen. „Das zeigt schon die Unterdrückung von WikiLeaks“, sagt Christian.

Auch Dominik ist dieser Meinung. Die „Eliteorganisationen“ nutzten die Charlie Hebdo Kampagne als „Deckmantel, um die Meinungsfreiheit abzuschaffen.“ Zur Veröffentlichung der pornographischen Karikaturen von Charlie Hebdo bemerkt er: „Religion hat Einfluss auf unterdrückte Menschen. Man darf Religion kritisieren, aber nicht lächerlich machen.“

Martin, ein Student der Geowissenschaften an der Freien Universität Berlin, fand den Vortrag und die Diskussion sehr anregend. Vor allem die Verbindung zwischen der Geschichte der deutschen Universitäten in der NS-Zeit und der heutigen aktuellen Entwicklung stimme ihn nachdenklich, sagt er.

Martin stammt aus Guatemala-Stadt und hat in den letzten drei Jahren in Jerusalem studiert. Die zunehmende Verschärfung von Polizeimaßnahmen, insbesondere nach dem Pariser Anschlag, vergleicht er mit seiner lateinamerikanischen Heimat. Seit den Morden an Studenten in Mexiko und den Unruhen, die dies ausgelöst habe, sei auch die Situation in Guatemala angespannt.

Als er kürzlich seine Mutter besucht habe, sei ihr Wohnbezirk umzäunt und von Sicherheitspersonal bewacht gewesen. „Ich musste mich in eine Schlange stellen und 20 Minuten warten. Dann musste ich mich identifizieren.“ Dies greife in der Hauptstadt Guatemalas immer mehr um sich. Reichere Bürger würden sich organisieren und ihre Wohnbezirke von den ärmeren mit Zäunen und Sicherheitspersonal abschotten. „Diese Kampagne für mehr Sicherheitsmaßnahmen ist beunruhigend“, sagt Martin. Sie rufe überall die Erinnerung an die Geschichte wach.

Arthur, 22, Student aus Potsdam hält es für wichtig, gegen den zunehmende „Militarisierung und Kriegsgefahr zu protestieren.“ Er habe auch den Eindruck, dass die Universitäten sich nach rechts entwickeln. Er unterstützt daher die Kampagne der IYSSE und will Kommilitonen darauf aufmerksam machen.