New York: Metropolitan Opera setzt weltweite “Klinghoffer”-Übertragung ab

Von Fred Mazelis
26. Juni 2014

Vergangene Woche hat sich die Metropolitan Opera in New York City dem zionistischen Druck gebeugt und bekannt gegeben, dass sie Pläne zur weltweiten Übertragung von John Adams Oper „The Death of Klinghoffer“ (Klinghoffers Tod, 1991) aufgegeben habe. Das Opernhaus plant nach wie vor acht Live-Aufführungen ab dem kommenden November. Aber die weltweite Videoübertragung in High-Definition an zweitausend Theaterbühnen und die globale Radioübertragung am 28. Februar 2015 sind gestrichen worden. Die Koproduktion mit der English National Opera, die 2012 schon in London aufgeführt wurde, wird also nicht, wie geplant, potentiell mehrere Millionen Zuschauer erreichen sondern nur ein Publikum von etwa 20.000 Personen.

The Death of Klinghoffer basiert auf der Entführung des Kreuzfahrtschiffs Achille Lauro 1985 durch palästinensische Terroristen, in deren Verlauf der Tourist Leon Klinghoffer, ein behinderter jüdischer Rentner, brutal getötet und über Bord geworfen wurde.

John Adams Oper nach einem Libretto von Alice Goodman wurde 1991 uraufgeführt und war praktisch sofort das Ziel gehässiger Beschimpfungen, da sie angeblich Antisemitismus schüre und Terrorismus unterstütze.

Dabei ist das Werk nicht antisemitisch, es entfernt sich bloß von der Linie der offiziellen zionistischen Propaganda und des fanatischsten rechten Flügels im israelischen Establishment, sowie seiner globalen Unterstützer, vor allem in den Vereinigten Staaten.

An der Spitze der jüngsten Angriffe auf die Oper stand Rupert Murdochs New York Post und die Antidiffamierungsliga (ADL) unter ihrem langjährigen nationalen Direktor, Abraham Foxman. Die ADL ist ein prominenter Bestandteil der zionistischen Lobby, die ständig nach politischen oder kulturellen Events, seien sie jüdisch oder nicht-jüdisch, Ausschau hält, welche die wunden Stellen des israelischen Regimes und ihrer Gönner verletzten könnten. Wie selektiv Foxman mit seiner Empörung über Antisemitismus umgeht, zeigte sich vor elf Jahren, als die ADL den italienischen Politiker Silvio Berlusconi mit dem Distinguished Statesman Award auszeichnete, obwohl dieser offen den faschistischen Diktator Benito Mussolini verteidigt hatte.

Die ADL arbeitet seit Jahren mit Klinghoffers zwei Töchtern zusammen, die seit langem unberechtigt gegen die Oper vorgehen, weil das Werk den palästinensischen Terror „verkläre“.

Adams ist als Komponist mehrerer Opern über historische und aktuelle Themen bekannt, zum Beispiel „Nixon in China“ (1987) über den Besuch des US-Präsidenten von 1972, oder „Doctor Atomic“ (2005), das sich mit J. Robert Oppenheimer und seiner Arbeit an der Entwicklung und Erprobung der ersten Atombombe in der unmittelbaren Nachkriegszeit befasst. Trotz einiger ernstlicher Mängel weisen diese Werke jeden Nationalismus und Chauvinismus entschieden zurück und zeigen einen gewissenhaften Umgang mit historischen Fragen.

Der Komponist widersprach der Entscheidung der Met. „Meine Oper verleiht dem Gedenken an Leon und Marilyn Klinghoffer große Würde und verurteilt den brutalen Mord an ihnen aufs Entschiedenste“, betonte Adams. „Die Träume und Sorgen nicht nur der Israelis, sondern auch des palästinensischen Volkes werden in dem Werk gewürdigt, das in keiner Weise Gewalt, Terrorismus oder Antisemitismus akzeptiert oder fördert.“

Der Guardian zitierte die Librettistin Alice Goodman mit den Worten: „Im Klinghoffer ist nichts Antisemitistisches, außer einer einzigen Arie, die aber von einer antisemitischen Rolle gesungen wird, die eindeutig als solche gekennzeichnet ist. Die zeitgleichen Übertragungen aus der Met werden von den verschiedensten Menschen angeschaut, die sie lieben und denen es sonst nicht möglich wäre, eine Live-Aufführung mitzuverfolgen. Die Vorstellung, dass dieses Werk nun zwar Live [in New York], aber nicht auf der Leinwand gesehen werden darf, ist grotesk und dumm, und ich bedaure das.“

Peter Gelb, Generaldirektor der Met, gab eine Erklärung heraus, in der er versuchte, es allen recht zu machen. Aber am Ende verriet sie nur Doppelzüngigkeit und feiges Kuschen vor der zionistischen Lobby. „Ich bin überzeugt, dass die Oper nicht antisemitisch ist“, schrieb Gelb. „Aber ich habe mich auch davon überzeugen lassen, dass in der internationalen Jüdischen Gemeinde die ernsthafte Sorge besteht, dass die Live-Übertragung von The Death of Klinghoffer zu der jetzigen Zeit eines wachsenden Antisemitismus, besonders in Europa, ungeeignet wäre.“

Gelb unternahm keinen Versuch, zu erklären, warum die Übertragung eines Werks, das NICHT antisemitisch ist, Antisemitismus ERMUTIGEN könnte. Offenbar wollte er bloß jene im Opernpublikum beschwichtigen, die über dieses Beispiel von Selbstzensur empört sind, ohne die Zionisten und Rechten vor den Kopf zu stoßen, die den Kampf der Palästinenser mit Terrorismus gleichsetzen, und von denen sich einige unter den reichsten Gönnern der Operngesellschaft befinden.

John Adams jüngste Oper, „Doctor Atomic“, hat sich als wirkungsvolle musikalische und dramatische Erkundung des atomaren Zeitalters erwiesen. „The Death of Klinghoffer“ wurde von einigen Kritikern bei der ersten Premiere zunächst als weniger wirkungsvoll eingeschätzt. Mit einer Ausnahme, einer Aufführung der Saint Louis Opera Company im vergangenen Jahr, wurde „Klinghoffer“ in den Vereinigten Staaten weitgehend ignoriert, bis die Met sie aufnahm. Die WSWS wird die Produktion im kommenden Herbst in New York auf jeden Fall besprechen – sofern nicht auch sie der Kampagne zum Opfer fällt, die schon die Pläne zur weltweiten Übertragung zunichte gemacht hat.