Osram-Arbeiter unterstützen PSG-Kampagne gegen Krieg

Von Verena Nees
17. Mai 2014

Der Aufruf der PSG zur Europawahl „Kämpft gegen Krieg“ stieß unter Arbeitern des Osram-Werks in Berlin auf großes Interesse. Die PSG-Kandidaten Ulrich Rippert und Helmut Arens verteilten ihn am 15. Mai beim Schichtwechsel. Nahezu alle Arbeiterinnen und Arbeiter nahmen den Aufruf mit. Viele blieben stehen, um zu diskutieren.

Ulrich Rippert (links) und Helmut Arens (rechts) bei Osram

Die Sorge unter den Osram-Arbeitern über die ständige Verschärfung der Kriegspropaganda und die Aufrüstung ist groß. Ein älterer Arbeiter der Frühschicht, der spontan sein Fahrrad anhielt, sagte mit Nachdruck: „Den Krieg wollen wir nicht“.

Er fügte hinzu: „Das kann ein Atomkrieg werden, das wäre das Ende der Menschheit. Wenn ich ehrlich sein soll – ich bin für Putin. Meine Meinung ist: Die USA haben nach und nach alle kleinen Länder um Russland herum unter ihre Kontrolle gebracht und jetzt noch die Ukraine. Damit haben sie doch die russische Regierung in die Enge getrieben.“

Eine bosnische Arbeiterin der Spätschicht sagte, die Entwicklung in der Ukraine mache ihr große Angst. „Ich fühle mich an meine Heimat erinnert.“ Auch dort hätten Politiker und Nato einen blutigen Bürgerkrieg angezettelt und großes Leid auf allen Seiten verursacht. Heute sehnten sich viele Arbeiter zurück nach dem alten Jugoslawien, auch in Kroatien und Slowenien. „Ja, Bosnien war kommunistisch, und es gab Probleme. Aber mein Mann und ich haben immer gearbeitet und uns ein kleines Haus als Alterssitz gebaut. Es wurde im Krieg zerschossen. Viele unserer Nachbarn und Angehörigen sind umgekommen. Unser Traum vom Ruhestand in der Heimat ist zerstört.“

Einige Osram-Beschäftigte zeigten ihren Unmut über die gleichgeschalteten Medienberichte gegen Russland. Einer rief im Vorbeigehen: „Das kennen wir ja von der DDR!“ Andere interessierten sich auch für die Standpunkte der PSG zu den Sparprogrammen der EU, beispielsweise in Griechenland, und zur Rolle der Gewerkschaften.

Der Leuchtmittelhersteller Osram, neben Philips der zweitgrößte der Welt, wurde im Juli 2013 vom Siemens-Konzern abgespalten und als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht. Weltweit hat das Unternehmen noch 36 Fabriken mit rund 35.000 Beschäftigten, darunter auch Zweigwerke in der Ukraine, Russland, Polen und Tschechien sowie mehrere Werke in China. Seit 2011 führt die Münchner Konzernleitung ein Restrukturierungsprogramm durch, bei dem rund 9.000 Arbeitsplätze bis 2015 abgebaut werden sollen. Sieben Werke wurden inzwischen bereits geschlossen oder verkauft. In Deutschland soll jeder zehnte der 10.000 Arbeitsplätze entfallen, davon allein im Berliner Werk in Spandau rund 500.

Das Berliner Osram-Werk mit seiner über hundertjährigen Geschichte beschäftigt derzeit noch rund 1.400 Arbeiter und Angestellte, nachdem bereits 400 Beschäftigte entlassen wurden. Weitere sollen folgen. Die meisten werden über Abfindungsvereinbarungen hinausgedrängt, es hat aber auch einige betriebsbedingte Kündigungen gegeben.

Der Arbeitsplatzabbau trägt die Unterschrift der IG Metall und der Betriebsräte. Im Aufsichtsrat von Osram sitzen neben dem Betriebsratsvorsitzenden des Berliner Werks, Thomas Wetzel, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Willi Sattler, Betriebsrat Hubert Roßkopf aus dem Werk Eichstätt, der bayrische IG-Metall-Pressesprecher Michael Knuth, und das Geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall, Irene Schulz. Im Geschäftsjahr 2013 erhalten sie pro Person, ohne die Sitzungsgelder von je 1.000 Euro, 40.000 bis 100.000 Euro jährliche Vergütung allein für die Aufsichtsratstätigkeit.

Mit den Angriffen auf die Belegschaft unterstützt Osram seinen Börsengang. Die Aktienkurse sind bereits gestiegen, und der Konzernvorstand stellte den Anlegern für das Geschäftsjahr 2013/2014 weitere Steigerungen in Aussicht. Im ersten Quartal 2014 erreichte der Konzern laut Handelsblatt trotz schrumpfendem Umsatz an herkömmlichen Glühlampen einen Überschuss von 69 Millionen Euro. Am geplanten Abbau der Arbeitsplätze ändert sich dadurch nichts. In Berlin investierte der Konzern 10 Millionen Euro in den Ausbau seiner Autolampenfertigung, ohne eine einzige geplante Entlassung zurückzunehmen. Stattdessen wurden die übrig gebliebenen Beschäftigten zu Überstunden an den Feiertagen aufgefordert.