Der Insiderhandel bei SAC und die amerikanische Finanzaristokratie

12. November 2013

SAC Capital Advisors, einer der lukrativsten Hedgefonds der Geschichte, hat sich am Freitag des Wertpapier- und Überweisungsbetrugs schuldig bekannt. Dies war Teil einer Einigung mit amerikanischen Staatsanwälten über Strafzahlungen in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar. Gegen den Besitzer und Manager der Hedgefondsgruppe Steven A. Cohen wurde keine Anklage erhoben.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, SAC habe „in bisher beispiellosem Ausmaß“ Insiderhandel betrieben. Das ganze Geschäftsmodell der Firma beruht darauf, riesige Wetten auf Unternehmensanleihen zu organisieren, von denen viele auf illegal erworbenen Informationen beruhen.

Mit diesem System konnte SAC riesige Gewinne einfahren, in den letzten zwanzig Jahren bis zu 30 Prozent pro Jahr. Im Vergleich dazu machte ein normaler Hedgefonds im letzten Jahr acht Prozent Gewinn. Das Schneeballsystem, das Bernard L. Madoff betrieben hat, warf etwa zehn Prozent Gewinn ab – ein Drittel von dem, was SAC erwirtschaftet hat.

Eine einzige Transaktion von SAC, durchgeführt von einem einzigen Portfoliomanager auf der Grundlage von Insiderwissen über klinische pharmazeutische Versuche, brachte dem Unternehmen 276 Millionen Dollar ein; Staatsanwälte sprachen von dem lukrativsten Insiderhandelsgeschäft, das je aufgezogen wurde.

Das Unternehmen benutzte laut der Staatsanwaltschaft illegal erworbene Informationen, um Wetten auf Research in Motion, Dell, NVIDIA, Marvell, Avnet Fairchild, Atheros, Broadcom, Elan, Wyeth und andere Unternehmen zu setzen. Die Unternehmenspolitik war auf die Verheimlichung illegaler Aktivitäten ausgerichtet. Die Kurznachrichtenspeicher wurden alle 36 Stunden gelöscht, E-Mails nach einem Monat.

Dieses riesige Betrugsimperium hat Steven A. Cohen unvorstellbar reich gemacht. Im Jahr 2012 hatte er ein Vermögen von 9,4 Milliarden Dollar. Zu seinen Hobbies gehört das Sammeln von palastartigen Anwesen und Wohnungen. Er hat Kunst im Wert von mehr als 700 Millionen Dollar gehortet.

Eines von Cohens Anwesen in Greenwich, Connecticut, erstreckt sich laut Forbes über mehr als achtzehn Acre und umfasst „Cohens über 32.000 Quadratmeter großes Hauptwohnhaus und ein weiteres Haus, das er im Jahr 2006 für fünf Millionen Dollar gekauft hat, einen Hallen-Basketballplatz in Originalgröße, einen verglasten Pool, eine 6200 Quadratmeter große Eislaufanlage und einen Golfparcours mit zwei Löchern.“

Cohen bewohnt außerdem das einzigen zweistöckige Appartment im New Yorker Bloomberg Tower, eine Immobilie im Wert von 115 Millionen Dollar und zwei Strandhäuser in den Hamptons, eines davon ist 62,5 Millionen Dollar wert. Letztes Jahr hat Cohen über 155 Millionen Dollar für Picassos Werk La Reve bezahlt. Das war einer der teuersten Kunstkäufe in der Geschichte.

Die 1,2 Milliarden Dollar, die SAC bei dieser Einigung zahlen muss, ist weniger als die 1,3 Milliarden, die das Unternehmen letzten Jahr eingenommen hat. Es wird vermutlich noch nach der Strafzahlung Profit machen.

Da Cohen der alleinige Eigentümer des Unternehmens ist, wird die Einigung sein persönliches Vermögen auf knapp über sieben Milliarden Dollar verringern, die von SAC verwaltet werden. Das Wall Street Journal schrieb: „Laut Quellen, die mit der Untersuchung vertraut sind... werden Staatsanwälte Cohen nicht persönlich für ein Verbrechen haftbar machen, solange keine neuen Beweise auftauchen, obwohl sie ihn schon lange im Visier haben.

Cohen wird also nicht nur straffrei ausgehen, obwohl er Milliarden Dollar durch Betrug angehäuft hat, er wird auch vier Fünftel seines Vermögens behalten.

Und das in einem Land, in dem laut einer Umfrage der amerikanischen Strafverteidigervereinigung allein in Kalifornien 360 Menschen lebenslange Freiheitsstrafen wegen geringfügigem Ladendiebstahl verbüßen – eine Folge des drakonischen Three Strikes-Gesetz dieses Bundesstaates.

Es wurde überhaupt nur gegen SAC ermittelt, weil der auffällige tägliche Insiderhandel zu offensichtlich wurde, um ihn einfach unter den Teppich zu kehren. Die Höhe der Geldstrafe – die größte der bisherigen Geschichte – zeigt deutlich das Ausmaß der Verbrechen.

In Wirklichkeit unterscheiden sich die Verbrechen, die SAC verübt hat, kaum grundlegend von dem täglichen Vorgehen der großen Wall Street-Banken und Hedgefonds, deren enorme Profite auf den Betrügereien und Spekulationen basieren, die zur Krise von 2008 führten, sie gehen nur nicht so umfassend und aggressiv vor.

Deshalb ist Cohen bisher trotz der enormen Beweise für illegale Aktivitäten von SAC gegen eine Anklage immun geblieben. Die herrschende Klasse Amerikas und ihre politischen Vertreter erkennen ihn als einen der ihren, der vielleicht eine Standpauke verdient, mehr aber auch nicht.

Diese gesellschaftliche Schicht hat ihren Reichtum, ihre Macht und ihren Einfluss seit der Finanzkrise, die durch ihre Aktivitäten ausgelöst wurde, vergrößern können. Während für die unteren 95 Prozent der amerikanischen Gesellschaft die Einkommen gesunken sind, hat sich das Gesamtvermögen der Milliardäre der Welt seit 2009 laut einem neuen Bericht von Wealth-X verdoppelt. Das addierte Vermögen dieser 2170 Personen beläuft sich mittlerweile auf 6,5 Billionen Dollar, fast soviel wie das Bruttoinlandsprodukt von China.

Diese gesellschaftliche Schicht wurde bei ihrer enormen Bereicherung von der staatlichen Politik auch die der Obama-Regierung und der Federal Reserve unterstützt; letztere pumpt weiterhin 85 Milliarden Dollar pro Monat in das Finanzsystem. Gleichzeitig führen beide Parteien des Großkapitals einen erbarmungslosen Angriff auf die Sozialprogramme, von denen die Arbeiterklasse profitiert.

Fünf Jahre nach Beginn der schwersten Finanzkrise seit der Großen Depression wurde kein einziger hoher Finanzvorstand angeklagt, obwohl es überwältigende Beweise für ihre Komplizenschaft bei den Betrügereien gibt. Wenn die Regierung überhaupt gegen die Kriminalität vorgeht, die an der Wall Street herrscht, dann klagt sie vielleicht ein paar kleinere Händler an und handelt Einigungen aus, die einen Bruchteil eines Jahresgewinns der Unternehmen ausmachen, während die Vorstände vor Verfolgung geschützt bleiben.

An der de facto-Immunität, die Wall Street-Könige wie Cohen und Jamie Dimon von JPMorgan genießen, zeigt sich die Dominanz der Finanzaristokratie über die Gesellschaft. Letzten Endes zeigt das Vorgehen von SAC nur die grundlegende Funktionsweise des amerikanischen Kapitalismus.

Andre Damon