UAW bietet Gründung von Firmengewerkschaft in VW-Werk an

Von Jerry White
8. November 2013

Die United Auto Workers (UAW) verhandeln hinter den Kulissen mit Volkswagen, um das Unternehmen dazu zu bewegen, die UAW in ihrem seit zwei Jahren bestehenden Werk in Chattanooga, Tennessee, anzuerkennen. Die UAW hofft, dies sogar ohne eine Abstimmung der 1600 Arbeiter zu erreichen, die sie repräsentieren will.

Da die UAW in den letzten 30 Jahren keine solche Abstimmung in Werken von europäischen oder asiatischen Autoherstellern gewonnen hat, verlässt sie sich völlig darauf, dass das VW-Management in dem Werk in Chattanooga eine „Gewerkschaft“ gründet, die praktisch ein hundertprozentiges Tochterunternehmen von VW wäre.

Die UAW arbeitet mit der deutschen IG Metall zusammen und hat den Autobauer dazu ermutigt, wie in Deutschland einen Betriebsrat in dem Werk in Tennessee einzurichten, der aus Vertretern der Arbeiter und Angestellten besteht. Nach deutschem Recht sind solche Betriebsräte vorgeschrieben, repräsentieren aber nicht die Arbeiter, sondern das Unternehmen und dürfen nicht zu Streiks aufrufen.

Zum Unglück für die UAW verbietet das amerikanische Arbeitsrecht solche vom Unternehmen dominierte Einrichtungen, wenn es keine zumindest formell „unabhängige Gewerkschaft gibt“. Andernfalls würde diese Organisation als Unternehmensgewerkschaft gelten, die nach dem National Labor Relations Act von 1935 verboten wäre. Der NLRA wurde als Reaktion auf die Massenerhebungen von Arbeitern während der Großen Depression erlassen, als Dutzende Millionen Arbeiter für das Recht kämpften, Gewerkschaften frei von Einmischung durch die Konzerne zu organisieren; auch die UAW ging daraus hervor.

Nach jahrzehntelanger Degeneration, deren Wurzeln in den antikommunistischen Säuberungen durch die Gewerkschaftsbürokratie in den 1940er Jahren, der politischen Unterordnung der Gewerkschaften unter die Demokratische Partei und den amerikanischen Kapitalismus und schließlich in der tödlichen Unterminierung aller nationalen Arbeiterorganisationen durch die Globalisierung der Produktion liegt, ist die UAW so weit, sich selbst als Unternehmergewerkschaft anzubieten.

Gary Casteel, Mitglied des Vorstands der UAW für internationale Angelegenheiten und Direktor der Region 8 brüstete sich in seiner Kolumne in der Chattanoogaer Zeitung Times Free Press Anfang des Jahres damit, dass die UAW das „erste neue Modell einer Arbeitnehmervertretung seit der Verabschiedung des NLRA von 1935“ ausarbeite: ein Modell, das auf der vollen Zusammenarbeit, Kooperation und Kollaboration der Beschäftigten mit dem Unternehmen basiert.“

In Wahrheit ist das eine Rückkehr zu Unternehmensgewerkschaften. Das gab die UAW sogar auf den Beitrittserklärungen zu, die sie an VW-Arbeiter verteilte. Darauf war unter anderem zu lesen:

„Wir, die Angestellten von Volkswagen, schließen uns zusammen, um das Werk in Chattanooga so erfolgreich wie möglich zu machen. Wir erkennen an, dass die Sicherheit unserer Arbeitsplätze und unser Erfolg als Angestellte vom Erfolg des Unternehmens abhängt.“

„Wir akzeptieren und unterstützen die Mitbestimmungsphilosophie von Volkswagen und wollen zur Produktion der qualitativ hochwertigsten Produkte, zu sicheren und effizienten Produktionsmethoden und zur allgemeinen Profitabilität von Volkswagen beitragen.“

„Wir entscheiden uns dafür, von der UAW vertreten zu werden, weil wir gemeinsam den Passat zum Auto Nummer Eins in den USA machen können.“

Die UAW behauptet, mehr als die Hälfte der Arbeiter in Chattanooga hätten die Erklärung unterzeichnet und bezeichnet sie als rechtlich genauso bindend wie eine Abstimmung. Laut der Detroit Free Press erklärte UAW-Präsident Bob King: „Die Gewerkschaft und das Unternehmen diskutieren jetzt über die beste Möglichkeit, die Anerkennung durchzusetzen. Er ist sich nicht sicher, ob das Unternehmen die Gewerkschaft freiwillig anerkennen wird, oder ob eine Abstimmung notwendig sein wird, aber er erklärte, eine Abstimmung nötig zu machen, wäre konfrontativer.“

Reuters schrieb jedoch, dass einige Quellen, die dem VW-Vorstand nahe stehen, letzten Monat erklärt hätten, der Vorstand würde letzten Endes auf einer formellen Abstimmung der Arbeiter bestehen.

Bernd Osterloh, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates von VW und Mitglied der IG-Metall, der als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates agiert, versuchte die Arbeiter durch Einschüchterung dazu zu bringen, für die Anerkennung der UAW zu stimmen. Er erklärte den Arbeitern in einer Stellungnahme, weil jetzt bei VW die Entscheidung anstehe, ein neues geländegängiges Auto für sieben Passagiere in Tennessee oder in Mexiko zu bauen, „wäre es gut, wenn das Werk in Chattanooga bereits einen Betriebsrat hätte, denn es geht im Moment um ein weiteres Modell für unser Werk in Amerika.“

Mehrere Arbeiter reichten daraufhin letzten Monat eine Klage beim National Labor Relations Board ein, weil VW-Manager Druck auf sie ausübten, der UAW beizutreten. Die Nationale Recht auf Arbeit Stiftung unterstützt die Klage zwar aus eigenen rechten Absichten, aber die Vorwürfe sind im Wesentlichen zutreffend.

VW pflegt schon seit Langem die engste Zusammenarbeit mit der IG Metall, dem Konzernbetriebsrat und vor allem mit Osterloh. Der Autoriese galt jahrzehntelang als das Symbol des deutschen Mitbestimmungs- und Beteiligungsmodells“. Auf dessen Grundlage arbeitet der Konzern eng mit der Gewerkschaft, dem Betriebsrat und der SPD zusammen.

Diese verkommene Beziehung kam 2005 in einem Gerichtsverfahren ans Licht, bei dem herauskam, dass das Unternehmen in zwei Jahren etwa 780.000 Euro an Betriebsratsmitglieder gezahlt hatte – darunter an Osterlohs Vorgänger Klaus Volkert, die von dem Geld unautorisierte Lustreisen in Bordelle auf der ganzen Welt unternahmen.

Gleichzeitig setzte der Betriebsrat Kostensenkungsmaßnahmen gegen VW-Arbeiter durch, die in der ganzen Branche zur Aushebelung von Tarifverträgen führten. Bevor Osterloh den Vorsitz des Betriebsrats übernahm, setzte er im Jahr 2001 das „5000 mal 5000“-Modell durch. 5000 neue Arbeiter wurden zu diesen Bedingungen eingestellt. Sie wurden statt nach Arbeitsstunden nach Ergebnissen bezahlt und erhielten mindestens ein Fünftel weniger Lohn und mussten flexiblere Arbeitsbedingungen hinnehmen. Osterloh spielte auch eine wichtige Rolle dabei, den belgischen VW-Arbeitern in den Rücken zu fallen, indem er mehr Kostensenkungen in Deutschland anbot. Dies führte zur Entlassung von tausenden von Arbeitern im Werk in Brüssel.

Die UAW blickt mit Neid auf die Zusammenarbeit der Gewerkschaften und Betriebsräte mit dem Staat und den Unternehmen in Deutschland. Da sie seit 1979 zwei Drittel ihrer Mitglieder verloren hat, sucht sie ein „neues Modell der Arbeitnehmervertretung“, um ihr Einkommen aus Mitgliedsbeiträgen wieder zu erhöhen.

UAW-Präsident Kings Anbiederung an ausländische transnationale Konzerne beruht darauf, dass die UAW ihnen den gleichen „Erfolg“ bescheren will, wie den Autobauern in Detroit. Deren Arbeitskosten sind in den letzten sechs Jahren um fast 30 Prozent gesunken, während in den Fabriken mit weniger Arbeitern mehr Autos gebaut werden als zuvor. Dieses Jahr werden GM, Ford und Chrysler die Profite von 2012 in Höhe von 12,3 Milliarden erneut überschreiten.

Die UAW lehnt jeden Kampf für die Verbesserung der Bedingungen der VW-Arbeiter ab. Im Gegenteil, die Löhne der VW-Arbeiter – die bei 14,50 Dollar pro Stunde beginnen und nach drei Jahren auf 19,50 Dollar steigen – sind bereits etwas höher als die Löhne zweiter Klasse in von der UAW vertretenen Werken in Detroit.

Die Gewerkschaftsvorstände argumentieren gegen rechte Politiker wie den Senator von Tennessee Bob Corker, der erklärte, die Anerkennung der UAW würde VW schaden. Casteel versprach, dass die Gewerkschaft, wenn sie anerkannt würde, dem Unternehmen helfen werde, die „Umschlagmengen, Qualität, Effizienz, Gesundheit und Sicherheit zu erhöhen.“

Die Anerkennung der UAW wird die VW-Arbeiter kein Jota weiterbringen, obwohl die diversen pseudolinken Geldeintreiber der UAW wie die Zeitschrift Labor Notes das behaupten. Im Gegenteil werden sie damit in eine Verschwörung aus Betriebsrat, Management und Regierung geraten, die ihre Ausbeutung noch verschlimmern wird.

Die Autoarbeiter in Chattanooga und anderen Werken müssen sich organisieren. Aber der Beginn des Kampfes für die Vereinigung der Arbeiterklasse zur Verteidigung des Rechts auf sichere und anständige Arbeitsplätze verlangt ein klares Verständnis des Zusammenbruchs der alten Gewerkschaften in den USA, Deutschland und weltweit.

Die Wiedergeburt der Arbeiterbewegung erfordert die Zurückweisung der pro-kapitalistischen und nationalistischen Perspektive der Gewerkschaften, ihrer politischen Unterordnung unter die Parteien des Großkapitals und die Entwicklung einer sozialistischen Perspektive, um die internationalen Kämpfe der Arbeiterklasse anzuführen.