US-Wachstums- und Beschäftigungszahlen weisen auf fortdauernde Wirtschaftskrise hin

Von Nick Beams
9. August 2013

Daten aus den USA über das Wirtschaftswachstum und die jüngsten Beschäftigungszahlen zeigen, dass sich der Wirtschaftszusammenbruch, der vor fast fünf Jahren mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers begann, weiter verschärft.

Die amerikanische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2013 nur mit einer Jahresrate von 1,7 Prozent und generierte im Juli nur 162.000 neue Arbeitsplätze. Das ist die schwächste Zahl seit vier Monaten. Die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze war deutlich zu gering, um die Beschäftigungsrate zu verbessern. Die meisten Stellen waren dazu noch im Niedriglohnbereich oder Teilzeitstellen. In den letzten vier Monaten entstanden viermal so viele Teilzeit- wie Vollzeitstellen.

Die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal wurden als „glanzlos“ bezeichnet, und die Zahlen des ersten Quartals wurden nach unten korrigiert. Insgesamt wurden sie dennoch als „besser als erwartet“ eingeschätzt, weil bereits ein Wachstum von nur einem Prozent befürchtet worden war. Voraussichtlich kann selbst das schwache Ergebnis des zweiten Quartals nicht gehalten werden. Das Wall Street Journal bemerkte: „Über 24 Prozent des Quartalswachstums gehen auf eine Erhöhung der Lagerhaltung zurück. Diese Aufstockung wird sich wahrscheinlich nicht wiederholen und könnte bei einer späteren endgültigen Revision dazu führen, dass die Zahlen sogar wieder nach unten korrigiert werden.“

In den letzten drei Quartalen ist die amerikanische Wirtschaft durchschnittlich nur mit einer Jahresrate von 0,96 Prozent gewachsen. Das ist eine klare Widerlegung der Behauptungen der Obama-Regierung, ein „Aufschwung“ habe begonnen. Die Tatsache, dass die amerikanische Wirtschaft nur ein Sechstel des durchschnittlichen Wachstums seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht, ist ein Hinweis auf tiefgehende strukturelle Veränderungen in der amerikanischen Wirtschaft. Sie zeigt an, dass die Wachstumsraten der Vergangenheit nicht mehr annähernd erreicht werden.

Einige dieser Veränderungen wurden in einer Analyse der Financial Times vom 24. Juli mit dem Titel „Investitionen der Wirtschaft: Eine seltsame Abweichung“ beleuchtet. Wie in dem Artikel festgestellt wurde, driften die Profite und die Investitionsrate immer weiter auseinander. Das ist wichtig, denn Investitionen, d.h. der Kauf von Anlagen und Ausrüstung und die Einstellung von Arbeitskräften, sind letztlich die wichtigste Triebkraft für die Expansion der kapitalistischen Wirtschaft.

In dem Artikel heißt es, dass bis in die späten 1980er Jahre Profite und Nettoinvestitionen in etwa im Gleichschritt marschiert seien. Beide machten ca. neun Prozent des BIP aus. Aber danach begannen die beiden Werte auseinander zu laufen. Nach 2009 tat ich eine immer größere Lücke auf.

Während die Vorsteuerprofite der Wirtschaft mit zwölf Prozent des BIP Rekordhöhen erreichen, liegen die Nettoinvestitionen nur bei vier Prozent des Ausstoßes. Und das, obwohl die Kapitalkosten und die Zinsen niedrig sind. Höhere Profite werden nicht, wie in der Vergangenheit, zur Ausweitung der Produktion genutzt, sondern zunehmend für den Rückkauf von Aktien, um die Profitrate für die Aktionäre zu erhöhen.

Unter einstmals “normalen” Bedingungen führten höhere Profite zu höheren Investitionen, höherer Produktion und höheren Löhnen, wodurch sich der Markt ausdehnte. Heute hingegen geht der Anteil der Löhne am BIP zurück.

Dies deutet darauf hin, dass steigende Profite nicht mehr, wie in der Vergangenheit, das Ergebnis einer Ausdehnung des Marktes sind, sondern immer stärker das Ergebnis von Kostensenkungen. Unternehmen versuchen, ihre Produktionskosten zu senken, um ihren Rivalen Marktanteile in einem stagnierenden oder gar schrumpfenden Markt abzujagen. Anders ausgedrückt, der einst „normale“ Prozess der kapitalistischen Akkumulation, bei dem höhere Investitionen noch zu einer Ausdehnung des Marktes, höheren Profiten und neuen Investitionen führten, bricht völlig zusammen.

Ein weiterer wesentlicher Faktor sind die immer noch spürbaren Auswirkungen der Finanzkrise und der so genannten “großen Rezession”, die der amerikanischen Wirtschaft den schwersten Schlag seit der Großen Depression der 1930er Jahre versetzt hat.

Eine kürzliche Studie von Mitarbeitern der Federal Reserve von Dallas kam zum Ergebnis, dass die Finanzkrise die USA bis zu vierzehn Billionen Dollar gekostet habe, was in etwa dem BIP eines Jahres entspricht. Das Ergebnis stimmt auch mit Studien überein, dass sich die Folgen der Finanzimplosion für die US-Wirtschaft im Bereich von 13 bis 22 Billionen Dollar bewegten.

Die Autoren des Berichts aus Dallas kommen zu dem Schluss, dass die Kosten für die amerikanische Wirtschaft 165 Prozent eines Jahres-BIPs betragen könnten, wenn das Wirtschaftswachstum in den nächsten zehn Jahren „magere“ zwei bis drei Prozent betrüge (wobei nur optimistische Schätzungen von drei Prozent ausgehen). „Außerdem könnten sich die Folgen für die globale Wirtschaft in der gleichen Größenordnung bewegen, wenn nicht sogar noch größer sein“, fuhren die Autoren fort.

Das Schrumpfen der amerikanischen Wirtschaft wirkt sich heute schon auf die globalen Wachstumszahlen aus. 2007 wuchs die chinesische Wirtschaft um 14,2 Prozent, die indische um 10,1 Prozent, die russische um 8,5 Prozent und die brasilianische um 6,1 Prozent. Dieses Jahr wird nach den einigermaßen optimistischen Annahmen des Internationalen Währungsfonds die chinesische Wirtschaft um 7,8 Prozent wachsen, die indische um 5,6 Prozent und die russische und die brasilianische jeweils nur um 2,5 Prozent.

Nach der Finanzkrise wurde spekuliert, die so genannten BRIC-Staaten könnten sich von den großen kapitalistischen Wirtschaften abkoppeln und die Grundlage für eine neue Expansion der globalen Wirtschaft abgeben. Diese Spekulationen sind mittlerweile gründlich widerlegt.

Die Daten für die USA und die so genannten “aufstrebenden Märkte” zeigen die wirkliche Bedeutung des Booms der Aktienmärkte. Die Aktienpreise stiegen letzte Woche erneut auf Rekordhöhe, weil geringes Wirtschaftswachstum wahrscheinlich bedeutet, dass die US Federal Reserve mit ihrer Politik der „quantitativen Lockerung“ weiterhin billiges Geld in das Finanzsystem pumpen wird. Dies würde erneut massive Finanzspekulation ermöglichen.

Der Aktienboom in den USA ist angesichts des immer rascheren globalen Abwärtstrends kein Zeichen wirtschaftlicher Stärke. Vielmehr gleicht er einer Fieberkurve der zunehmenden Instabilität des globalen Finanzsystems.

Die USA sind nicht der einzige mögliche Auslöser der nächsten Krise. Die Kreditverknappung in China könnte ebenfalls globale Folgen zeitigen. Die Regierung und die Finanzbehörden versuchen die Kreditblase zu entschärfen, die sich gebildet hat, weil nach dem Finanzkrach von 2008-2009 massive Konjunkturprogramme aufgelegt wurden.

Vergangene Woche warnte das australische Finanzministerium vor Sorglosigkeit. Noch immer sei unklar, ob die chinesischen Behörden genug getan hätten, um das Finanzsystem des Landes zu schützen. Die Australier wiesen darauf hin, dass Maßnahmen gegen die Risiken „die Gefahr beinhalten, dass falsche politische Schritte zu weitgehenden, unbeabsichtigten Verwerfungen auf den Märkten führen könnten“.

1997 löste der Zusammenbruch der thailändischen Währung die Asienkrise aus. Sie führte damals zu einem Schrumpfen der Wirtschaft in dieser Region, das sich mit der Großen Depression der 1930er Jahre in den mächtigsten kapitalistischen Wirtschaften messen konnte.

Wer die Zahlen über Produktion und Beschäftigung in den USA in Verbindung mit der wachsenden Instabilität der Finanzmärkte betrachtet, kann keine “Erholung” feststellen. Vielmehr zeigen diese Daten, dass der globale kapitalistische Zusammenbruch eine neue Phase erreicht hat, die noch schärfere Angriffe auf Arbeitsplätze, Löhne und soziale Bedingungen mit sich bringt. Die internationale Arbeiterklasse muss sich mit einem unabhängigen sozialistischen Programm darauf vorbereiten.