In Portland, Oregon, widersetzen sich streikende Arbeiter den Forderungen von Daimler Trucks nach Zugeständnissen

Von Hector Cordon
24. Juli 2013

In Portland, Oregon, treibt Daimler Trucks North America (DTNW) seine Forderungen nach weitgehenden Kürzungen voran, während die Verhandlungsführer der DTNW und der Gewerkschaften sich darauf einstellen, die Gespräche wieder aufzunehmen. Die Daimler Arbeiter hatten das zahlreiche Zugeständnissen fordernde Angebot des Unternehmens vom 29. Juni mit überwältigender Mehrheit abgelehnt Das Treffen der Unterhändler am 10. Juli war das erste, seit die Arbeiter sich den Empfehlungen der Verhandlungsführer der Gewerkschaft widersetzten, das Angebot anzunehmen,. Laut der Website der Gewerkschaft International Association of Local Machinists 1005 hat “das Unternehmen keinerlei Interesse gezeigt, das letzte Angebot an uns zu verbessern.”

The picket line at Daimler with (left to right) an unidentified striker, Art, Jeff and Troy

Fast sechshundert Maschinisten und Lackierer – Mitglieder einer zweiten Gewerkschaft, der International Union of Painters and Allied Trades (IUPAT) Local Regionale 1094 – befinden sich seit dem 1. Juli im Streik gegen DTNA. Die Arbeiter lehnten das “letzte, beste und endgültige” Angebot der Firma ab. Es beinhaltete eine kümmerliche Lohnerhöhung von 1,30 US $ pro Stunde über drei Jahre, die durch höhere private Zahlungen für die Gesundheitsplankosten, wie sie das Unternehmen fordert, mehr als aufgefressen würde. Die Daimler-Vorschläge würden auch die Reste der gesundheitlichen Unterstützungsleistungen für Rentner dezimieren und ein Bestrafungsregelwerk für Fehlzeiten implementieren.

DTNA ist der größte Lkw-Hersteller in Nordamerika, mit sechs Werken in North und South Carolina und Oregon und zwei Werken in Mexiko. Die Freightliner Serie von Lkws, ehemals in Portland gebaut, wird jetzt in North Carolina und in Mexiko hergestellt. DTNA gehört der in Deutschland ansässigen Daimler AG, dem größten Hersteller von Nutzfahrzeugen in der Welt. Derzeit werden die Arbeiter der Niederlassung in North Carolina – die Mitglieder der United Auto Workers (UAW) sind - von ihrer Gewerkschaft gezwungen, ohne Vertrag zu arbeiten.

Das im Swan Island Industrial Park gelegene Portland-Werk fertigt die schweren Western Star Lkws, die in der Baubranche, dem Bergbau, der Holzwirtschaft und anderen Branchen der Schwerindustrie eingesetzt werden. Viele sind auf die individuellen Anforderungen der Kunden abgestimmt.

Seit 2002 hat Daimler – unter der Komplizenschaft der Gewerkschaften – ein Zugeständnis nach dem anderen durchgedrückt. Obligatorische Überstunden, flexible Terminplanung und Kostensenkung haben die Produktivität unter dem letzten Vertrag um fünfundzwanzig Prozent erhöht. In den letzten vier Jahren sind die Löhne nicht mehr gestiegen.

Weltweit sind die Bedingungen für Daimler-Mitarbeiter ähnlich, sei es in Mexiko, Deutschland oder den Vereinigten Staaten. In Deutschland segnete die IG Metall mit dem letzten Tarifvertrag die Beschäftigung von Hunderten schlecht bezahlter Leiharbeiter ab. Dadurch ist die Daimler AG in der Lage, riesige Gewinne zu erwirtschaften.

Streikende Arbeiter auf Streikposten diskutierten mit der World Socialist Web Site die Probleme ihres Arbeitskampfs. Troy Frahm sagte der WSWS: “Die Gewerkschaften haben so viele Mitglieder verloren und im Umgang damit, wie die Unternehmen sie behandeln, Es scheint mir, das Ziel der globalen Wirtschaft ist es, die Arbeiter zu unterdrücken.”

Auf ein Thema eingehend, das von vielen Streikposten immer wieder angesprochen wurde, sagte Troy: “Im Zentrum des Streiks geht es um Geld, aber es geht auch um Anerkennung. Wir werden vom Unternehmen schikaniert und traktiert. Wir sind es leid, nachzugeben. Aber wir bauen gute LKWs, ich bin sehr stolz auf meinen Job, ich liebe meinen Job.”

Art erklärte: “Du wirst nicht geschätzt, obwohl das Management uns auf Meetings als 'Familie' bezeichnet. Es gibt Probleme bei der Sicherheit, aber sie weigern sich, irgendetwas zu tun, dass die Fertigung verlangsamen würde. Sie werden nichts tun, bis jemand verletzt oder getötet wird.”

Jeff fügte hinzu: “Das Durchschnittsalter ist hier 48-49 Jahre. Unsere Vorgaben sind sechsundzwanzig Lkws pro Schicht, aber dann fragt das Management: ‘Könntet ihr heute achtundzwanzig machen?’. Lean Produktion [schlanke Produktion] wird weltweit eingesetzt, ihr erklärtes Ziel ist es, die Produktivität um zwanzig Prozent zu steigern. Ich habe bis zum Erbrechen mit ihnen gesprochen. Wir sind nicht Toyota. Jeder LKW ist ein Einzelstück – dieser braucht ein Luftdruckhorn, jener hat Vier-Rad-Antrieb. Wir bauen keine identischen Corollas.”

Auf die Frage nach der Rolle der Gewerkschaften angesprochen, meinte Jeff: “Der Gewerkschaft zufolge ist es eine unfaire Arbeitskampfmaßnahme, vor der Unternehmenszentrale zu demonstrieren.”

Die WSWS sprach auch mit Streikposten an einer zweiten DTNA Niederlassung. Eugene, der seit achtundzwanzig Jahren bei Daimler ist, sagte: “Wir verlangen nichts Unmögliches. Wir haben zwei Dollar pro Stunde weniger bei der Bezahlung hingenommen, und wir akzeptierten ein Einfrieren der Löhne. Die Niederlassungen erhalten Boni, wir waren die einzigen, die Einschnitte hinnehmen mussten. Sie haben uns so sehr nach unten 'gedrückt', dass wir fünfzig Prozent weniger Arbeitskräfte pro LKW haben als früher. Western Star Trucks sind schwieriger zu bauen. Der Endeffekt ist: Wir sind fünfundzwanzig Prozent effizienter und Daimler macht Rekordgewinne”.

Gary sprach über erhöhte Produktivität durch das System der Lean Production. “Ich baue Kabinen und sie filmen Dich dabei. Sie werden einen ganzen Bereich umbauen, damit Du mehr arbeitest. Das wird 'sieben Wege’ genannt, und heißt, dass Du in jeder Sekunde arbeiten musst. Mein Problem ist die Art und Weise, wie sie einen behandeln.”

Ron, der auf die Rolle der auf die Spezialisten für Firmenübernahmen und Aufkäufe einging, sagte: “Die großen Unternehmen kaufen kleinere und laden ihnen Schulden auf und dann zerstückeln sie die Firma. Das geschieht im Auftrag der Finanziers, die Millionengewinne machen. Es ist beängstigend, wie die Dinge laufen.”

Die Daimler Arbeiter sind entschlossen, die Zugeständnisse zu stoppen und zurückzudrehen. Allerdings sind sie dabei nicht nur mit einem einzigen, unnachgiebigen, multi-nationalen Unternehmen konfrontiert, sondern mit einem ganzen wirtschaftlichen und politischen System. Weltweit entzieht der Kapitalismus den Arbeitern die meisten ihrer elementarsten Rechte, um noch höhere Gewinne in den reichsten Teil der Gesellschaft zu lenken. Die Gewerkschaften – die das Profitsystem verteidigen und im wirtschaftlichen Nationalismus verwurzelt sind – haben keine Antwort auf die weltweit koordinierten Angriffe auf die Arbeiterklasse. Zur Verteidigung der Basis der Beiträge und Einkommen der gewerkschaftlichen Führungskräfte arbeiten sie mit den Unternehmen und der Obama-Regierung zusammen, um eine drastische und dauerhafte Senkung des Lebensstandards der Arbeiter in den USA umzusetzen. Auf diese Weise hoffen die Gewerkschaften, die Unternehmen dazu zu überreden, sich ihre billigen Arbeitskräfte eher in den USA als in Mexiko, China oder anderen Billiglohnländern zu suchen.

Die IAM hat die bei DTNA Streikenden isoliert und blockiert jeden Kampf dafür, den Kampf auf die gesamte Lkw-Branche auszuweiten. Die IAM wiederholt die gleiche, verräterische Politik, wie sie sie während des fünfzehnwöchigen Streiks in dem Caterpillar-Werk in Joliet, Illinois, im letzten Jahr durchgeführt hat. Trotz der Selbstaufopferung der Arbeiter arbeiteten die IAM mit Politikern der Demokratischen Partei zusammen, um einen Nationalismus nach der Parole “Amerika-zuerst” zu fördern, die Streikenden von anderen CAT Arbeitern zu isolieren und sie zu zwingen, weitgehende Zugeständnisse zu akzeptieren, selbst dann noch als Caterpillar riesige Gewinne einfuhr.

Die Fähigkeit von DTNA, in den letzten elf Jahren Lohnkürzungen, das Einfrieren von Löhnen, Produktivitätssteigerungen und andere Zugeständnisse durchzusetzen, war nur möglich durch die “Partnerschaft” zwischen Gewerkschaften und Management, die auf Kosten der Arbeiter ging. dessen Daimler ist sich darüber wohl bewusst und mehr als bereit, darauf zu warten, dass die Gewerkschaften die Streikenden zermürben und in die nächste Ausverkaufsvereinbarung treiben.

Es muss ein neuer Weg eingeschlagen werden. Wenn dieser Kampf nicht verloren werden soll, müssen die einfachen Arbeiter der IAM und den anderen Gewerkschaften die Verhandlungen und den Kampf aus der Hand nehmen. Sie müssen einen Basis-Streikausschuss wählen, der sich aus den vertrauenswürdigsten und militantesten Arbeitern zusammensetzt. Wenn der Ausschuss selbst die Interessen der Arbeiter vertreten soll, muss er völlig unabhängig von den Gewerkschaften agieren und für die breitestmögliche Unterstützung der Arbeiter in der Gegend um Portland und die Ausweitung des Kampfes auf alle Daimler- und LKW-Werke kämpfen. Dies bedeutet, die Arbeiter für eine Rebellion gegen die UAW und andere Gewerkschaften zu gewinnen, und für die vollständige Mobilisierung der Arbeiterklasse in der Industrie zu kämpfen.

Ein solcher Kampf, der eine breite Massenunterstützung unter den Arbeitern in den USA und international erhalten würde, erfordert einen politischen Bruch mit der pro-kapitalistischen und nationalistischen Perspektive der Gewerkschaften und der Demokratischen Partei. Vor allem muss eine neue Führung der Arbeiterklasse auf der Grundlage des Kampfes für die internationale Einheit der Arbeiterklasse und die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft aufgebaut werden.