Commerzbank streicht bis zu 6.000 Arbeitsplätze

Von Konrad Kreft
31. Januar 2013

Die Commerzbank, die zweitgrößte Bank in Deutschland, will ihre milliardenschweren „Ertrags- und Wachstumsziele“ auf dem Rücken der Beschäftigten erreichen. Bis zu 6.000 Angestellte der Bank sollen bis 2016 weltweit ihren Arbeitsplatz räumen. Weil man, wie aus Analystenkreisen verlautete, „die Streichung schneller erwartet habe“, fiel die Aktie der Bank nach Bekanntgabe dieser Nachricht um zwei Prozent.

4.600 der geplanten Stellenstreichungen entfallen auf Deutschland. Laut Angaben der Zeit gehört zur „Anpassung der Personalstruktur“, die Personalvorstand Ulrich Sieber ankündigte, auch das „Outsourcing“ von 600 Vollzeitstellen in inländische „Billigstandorte“. Vom Stellenabbau seien lediglich die Onlinebank Comdirect und die polnische Tochtergesellschaft BRE Bank ausgenommen. Laut Süddeutscher Zeitung ist auch eine neue „Gehaltsstruktur“ geplant. Dadurch könnten Angestelltengehälter um mehrere Hundert Euro gekürzt werden.

Die meisten Stellen werden im Privatkundenbereich abgebaut, dessen Ergebnis zuletzt um fast 40 Prozent fiel und der Bank Verluste bescherte. Im Firmenkundengeschäft (Mittelstandsbank) soll es dagegen keine Entlassungen geben.

Bereits im November 2012 hatte Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing den Abbau von Stellen angekündigt, aber keine Zahlen genannt. Ab Februar sollen nun die Einzelheiten mit dem Betriebsrat geklärt werden.

Verdi hat die Pläne der Commerzbank als „Horror-Katalog“ und „Frontalangriff“ bezeichnet. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Gewerkschaft seit langem in die Pläne eingeweiht war. Verdi und der Betriebsrat sind über gut entlohnte Posten im Aufsichtsrat in die Entscheidungen der Bank eingebunden.

Bereits mit der Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2009 war die Streichung von 9.000 Arbeitsplätzen einhergegangen, die bis auf knapp 1.000 Stellen abgeschlossen ist. Die Commerzbank beschäftigt momentan weltweit 60.000 Mitarbeiter, davon 37.000 in Deutschland.

Die Bundesregierung ist mit 25 Prozent an der Bank beteiligt. Diese Beteiligung geht auf eine Rettungsaktion im Krisenjahr 2008 zurück, als die Commerzbank 18,2 Milliarden Euro Hilfsgelder erhielt.

Nur vier Jahre später meldete das Handelsblatt, das Gehalt von Bankchef Blessing sei um 160 Prozent auf 1,3 Millionen Euro angehoben worden. Zuvor hatte die Bundesregierung die Gehälter des Vorstandes wegen der Rettungsmaßnahmen auf 500.000 Euro jährlich beschränkt. Wie das Handelsblatt weiter berichtete, war zum Zeitpunkt der Gehaltserhöhung nur ein Bruchteil der Hilfsgelder zurückgezahlt.

Auch in anderen deutschen Banken stehen in den nächsten Monaten Arbeitsplatzverluste bevor.

Die HypoVereinsbank, eine Unicredit-Tochter, will im Jahr 2013 600 Stellen im Privatkundenbereich und der Unternehmerbank streichen, 2014 sollen 400 weitere folgen. 45 Filialen sollen geschlossen werden.

Der Allianz-Konzern kündigte für Juli die Schließung der Allianz-Bank an. Sie wurde 2009 gegründet, nachdem die Allianz die Dresdner Bank an die Commerzbank verkauft hatte. Die Bank schrieb zuletzt nur rote Zahlen. Der Konzern entlässt damit rund 450 Bankangestellte. Der Allianz-Versicherungskonzern will sich von der verlustreichen Banksparte ganz trennen, lediglich die Oldenburgische Landesbank will er behalten.

Auch von der Deutschen Bank, die im September 2012 mehrere Tausend Stellen strich, wird für die nächsten Tage die Ankündigung weiterer Entlassungen erwartet. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hält es für sicher, dass die Bankchefs „Jain und Fitschen deutlich mehr Arbeitsplätze abbauen müssen als die bislang angekündigten 2.000 Stellen“.

Eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young ergab, dass 42 Prozent aller Banken Entlassungen in der Verwaltung planen. Europaweit beabsichtigen laut dieser Umfrage sogar 45 Prozent der Banken, Arbeitsplätze abzubauen. Niederländische und britische Banken planen die umfangreichsten Stellenstreichungen.

Dieser Abbau hat ähnliche Ausmaße wie die Entlassungswelle, die 2009 durch den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers ausgelöst wurde. Bloomberg News nennt die Zahl von knapp 16.000 Stellen weltweit. Sie wird sich weiter beschleunigen, da eine „radikale Restrukturierung“ bevorsteht.

Die Schweizer Bank UBS hat den Abbau von 10.000 Stellen angekündigt, die zweitgrößte britische Bank Barclays will 2.000 Mitarbeiter loswerden. In den Vereinigten Staaten nannten Morgan Stanley 1.700 und American Express 5.400 geplante Entlassungen.

Claus-Peter Wagner von Ernst & Young nannte „eine steigende Risikovorsorge“, nämlich „zunehmende Regulierung“, „strengere Anforderungen an Liquiditätsreserven und Sicherheiten“, sowie „ historisch niedrige Zinsen“ als Grund für zurückgehende Gewinne. „Vor den Banken liegen magere Jahre“, sagte er der Marketing-Börse. Mit den Entlassungen senkten die Banken Kosten und bauten Risiken ab.

Die während der Finanzkrise mit Staatsgeldern geretteten Banken stehen unter dem Druck der Aufsichtsbehörden, die verlangen, dass sie schnell schrumpfen. In Deutschland betrifft dies unter anderem die Commerzbank, die DZ Bank (Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank) und die Bayerische Landesbank (BayernLB). Die EU-Bankenaufsicht Eba, die 39 europäische Großbanken beaufsichtigt, hat die Institute aufgefordert, bis Ende 2013 Sanierungspläne vorzulegen.

Der Personalabbau im Privatkundenbereich wird auch mit technischen Neuerungen begründet. Christoph Kaserer, Professor für Finanzmärkte an der TU München, erklärte der Süddeutschen Zeitung: „Viele Kunden wandern ins Internet ab, da ist es eigentlich klar, dass Filialen und Personal reduziert werden müssen.“