Die SEP im US-Wahlkampf:

Jerry White in Sri Lanka

Von unserem Korrespondenten
5. September 2012
versammlungDie Versammlung in Galle

Jerry White, Präsidentschaftskandidat der Socialist Equality Party in den USA, hat seine Tour durch Sri Lanka am vergangenen Donnerstag mit einem Auftritt in Galle, einer Hafenstadt im Süden des Landes, beendet. Zu dem Treffen erschienen etwa einhundert Arbeiter und Jugendliche. Im Anschluss an Jerrys Vortrag kam es zu einer lebhaften Diskussion.

Mitglieder der International Students for Social Equality (ISSE) hatten das Treffen durch eine intensive Kampagne vorbereitet und Arbeiter auf Postämtern, im Hafen, an Bahnhöfen, in Krankenhäusern und vor verschiedenen lokalen Firmen angesprochen und auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht.

RatnasiriRatnasiri Malalagama

Ratnasiri Malalagama, Mitglied des politischen Komitees der SEP in Sri Lanka, sprach die einleitenden Worte. „Jerry White hat sein gesamtes Leben als Erwachsener, mehr als drei Jahrzehnte, dem Kampf für den internationalen Sozialismus gewidmet”, sagte er und ging dann auf die Präsidentschaftskampagne in den USA ein. „Diese Kampagne beschränkt sich nicht auf den amerikanischen Kontinent, sondern ist Teil des Kampfes zur Vereinigung der internationalen Arbeiterklasse.”

Jerry White schilderte zunächst die gegenwärtige globale wirtschaftliche und politische Krise und erläuterte dann die sozialistische Perspektive der SEP. „Als ich der Workers League, der Vorgängerin der Socialist Equality Party in den USA 1979 als junger Arbeiter in New York beitrat, erfuhr ich zum ersten Mal von der reichen Geschichte des langen politischen Kampfes, den die trotzkistische Bewegung in Sri Lanka geführt hat. Die Workers League wurde 1966 auf Grund der Lehren gegründet, die das Internationale Komitee der Vierten Internationale aus dem großen Betrug der LSSP durch den opportunistischen Beitritt in die Regierung Bandaraneike gezogen hat.”

White erläuterte, dass die SEP im Gegensatz zu den verschiedenen pseudo-linken und maoistischen Organisationen auf der revolutionären Rolle der amerikanischen Arbeiterklasse beharre. „In den letzten drei Jahrzehnten ist es zu einem grundlegenden Wandel der Lebensbedingungen der amerikanischen Arbeiterschaft gekommen, der sie auf den Weg des revolutionären Kampfes führen wird.“

White wies auf die Rolle von Gruppen wie der International Socialist Organization (ISO) in den USA hin, die alles daran setzen, die Arbeiterschaft und die Jugend in Obamas Fahrwasser zu lenken und sie seiner Demokratischen Partei unterzuordnen. Er sagte: „In unserem Wahlkampf rufen wir die Arbeiterklasse auf, mit der Demokratischen Partei zu brechen und sich dem Kampf für den Aufbau einer unabhängigen sozialistischen Partei anzuschließen. Bei unserem Kampf geht es um die internationale Einheit der Arbeiterklasse.“

WhiteJerry White

Nach Whites Rede stellten mehrere Besucher Fragen. Ein pensionierter Akademiker sprach die Versuche der gegenwärtigen Regierung Sri Lankas an, zwischen den USA und China zu lavieren, und wollte wissen, welches Schicksal Sri Lanka in dieser Situation erwarte. White sagte: „Es ist unklar, in welche Richtung die Regierung sich bewegen wird.“

Auf den Besuch des chinesischen Verteidigungsministers in Sri Lanka Bezug nehmend, fügte er hinzu, dass Washington derartige Entwicklungen mit großer Sorge verfolge. „Was auch immer die Regierung von Sri Lanka unternimmt, das Land wird auf jeden Fall in den kommenden Konflikten zwischen die Fronten geraten. Und diese Konflikte drohen, einen Weltkrieg auszulösen.“

Ein anderer Zuhörer erwähnte die Angriffe auf das Bildungssystem, die mehrere aufeinanderfolgende Regierungen in Sri Lanka unternommen haben und die die Arbeiterklasse in die Unwissenheit treiben. Er wollte wissen, wie die SEP Arbeiter und Jugendliche auf der Grundlage eines marxistischen Programms erziehe.

White wies darauf hin, dass das kapitalistische System die Bedingungen für die Entwicklung sozialistischen Bewusstseins geschaffen habe und führte die revolutionären Erhebungen in Tunesien, Ägypten und Griechenland im vergangenen Jahr an. „Die wichtigste Frage, mit der die Arbeiterklasse in diesen Kämpfen konfrontiert war, war das Fehlen einer revolutionären Führung und einer revolutionären Perspektive.“

Ein junger Arbeiter fragte nach dem Einfluss und dem Programm der sozialistischen Bewegung in den USA und wollte wissen, wie die SEP die revolutionäre Erhebung in Ägypten im vergangenen Jahr einschätzt. „Die Frage des Sozialismus in den USA ist komplex“, sagte White. „Es gibt gewiss ein wachsendes Interesse.“ Er verwies auf eine Meinungsumfrage nach dem Finanzcrash von 2008, die ergeben hatte, dass vierzig Prozent der jungen Amerikaner den Sozialismus dem Kapitalismus vorziehen.

Auf die Proteste in Ägypten im vergangenen Jahr zurückkommend, erklärte White, dass die Massen dort trotz gewaltsamer Unterdrückungsmaßnahmen auf die Straßen gegangen seien und schließlich den Rücktritt des Diktators Mubarak erzwungen hätten. Dabei habe die ägyptische Arbeiterklasse eine entscheidende Rolle gespielt, wie man an den Massenstreiks der Textilarbeiter und der Arbeiter am Suez-Kanal sehen könne.

Trotzdem seien keine der Hoffnungen der Arbeiter auf soziale oder wirtschaftliche Verbesserung in Erfüllung gegangen. Noch immer sei das Militärregime an der Macht, das jetzt von der Muslimbruderschaft unterstützt werde. „Diese Entwicklungen“, so White, „entlarven all diejenigen, die – wie die Revolutionären Sozialisten – behauptet haben, das ägyptische Militär und die rechtsgerichtete Muslimbruderschaft könnten die Hoffnungen der Massen erfüllen.“

„Es bedarf einer zweiten Revolution in Ägypten. Es muss eine Revolution sein, die von der Arbeiterklasse mit dem Ziel der Machtübernahme geführt wird und die die Unterstützung der internationalen Arbeiterklasse erhält, um einer Intervention durch imperialistische Kräfte standzuhalten.“

Ein Arbeiter der staatseigenen Transportbehörde von Sri Lanka sagte: „Wir haben in den vergangenen sechs Monaten nur die Hälfte unseres Lohns erhalten und wir wissen, dass die Behörde keine Rentenzahlungen für uns geleistet hat. Aber unsere Gewerkschaften sind kampfunfähig. Jerry sagt, die Arbeiter sollten sich international vereinigen. Das ist ehrenwert. Aber wir sollen sie international zusammenfinden, wenn wir noch nicht einmal eine nationale Einheit schaffen können?“

Mitglieder der SEP erläuterten, mit welchen Mitteln die Gewerkschaften und die pseudo-sozialistischen Parteien wie die LSSP den Kampf der Arbeiter verraten, dass sie mit den Kapitalisten kooperieren und nichts anderes als den verlängerter Arm der Bourgeoisie innerhalb der Arbeiterbewegung darstellen. Die nationale Einheit im Kampf herzustellen heiße auf keinen Fall, mit den Gewerkschaften oder den Pseudolinken zusammenzuarbeiten. Im Gegenteil, die Einheit können nur im Kampf gegen diese politischen Kräfte erreicht werden.

Sandun Jayasinghe, ein Maschinist, sagte: „Es fällt schwer zu überleben, wenn alles immer teurer wird, ohne dass der Lohn erhöht wird. Die Bosse verlangen mehr Arbeit von uns, ohne dafür zu bezahlen. Es besteht kein Mangel an Widerstand gegen diese Maßnahmen, aber bisher hat dieser Widerstand nichts gebracht. Ich habe mich immer gefragt, warum das so ist. Nachdem ich Jerrys Vortrag gehört habe, sehe ich, dass die Hoffnungen der Massen nur durch den Kampf für den Sozialismus erfüllt werden können. Wie White gesagt hat, ist es notwendig, mit den Gewerkschaften und den kapitalistischen Parteien zu brechen. Außerdem habe ich gelernt, wie wichtig es ist, dass die Arbeiterklasse sich international zusammenschließt. Ich werde mit meinen Kollegen über diese Fragen sprechen.“