Sri-Lanka-Reise des sozialistischen US-Präsidentschaftskandidaten

Jerry White schlägt Treffen mit LSSP aus

13. September 2012

Wir veröffentlichen an dieser Stelle eine Anfrage der srilankischen Lanka Sama Samaja Party (LSSP), die um ein Treffen mit Jerry White bat, dem Präsidentschaftskandidaten der amerikanischen Socialist Equality Party; wie auch seine Antwort, in der White erklärt, warum er diese Einladung ausschlug.

White hielt sich vor zwei Wochen auf Einladung der srilankischen SEP in Sri Lanka auf, um auf drei öffentlichen Versammlungen zu sprechen. [Die SEP (Sri Lanka) und die SEP (USA) sind Schwesterorganisationen der Partei für Soziale Gleichheit (PSG)]. Der Vorläufer der srilankischen SEP, die Revolutionary Communist League (RCL), war 1968 als Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI) gegründet worden, und die politische Grundlage hierfür bildeten damals die Lehren, die aus dem Verrat der LSSP 1964 gezogen worden waren. Die LSSP war 1964 in eine bürgerliche Koalitionsregierung eingetreten.

Die LSSP war 1935 entstanden, und ihre Führer waren 1942 die treibende Kraft für den Aufbau der Bolschewistisch-Leninistischen Partei von Indien (BLPI), der indischen Sektion der Vierten Internationale. Während und nach dem zweiten Weltkrieg spielte die BLPI eine entscheidende Rolle in den Kämpfen gegen die britische Kolonialherrschaft in Indien und Sri Lanka. 1950 schloss sich die BLPI jedoch mit einer opportunistischen Neuauflage der LSSP zusammen. Der Verrat der LSSP von 1964 war das Ergebnis eines längeren Abdriftens der LSSP-Führung unter dem Einfluss der opportunistischen pablistischen Internationale. Seither hat die LSSP mehreren bürgerlichen Regierungen ihre Dienste erwiesen, einschließlich dem heutigen Regime von Präsident Mahinda Rajapakse.

Die wichtigen politischen Lehren aus dem Kampf für Trotzkismus in Südasien sind in den Historischen und Internationalen Grundlagen der Socialist Equality Party (Sri Lanka) enthalten. (http://www.wsws.org/de/2012/mai2012/sri1-m25.shtml)

Lieber Genosse

Ich bin Mitglied einer führenden politischen Partei (der Lanka Sama Samaja Party – der ersten sozialistischen Partei in Sri Lanka), und wie ich gehört habe, wird Euer Präsidentschaftskandidat, Genosse Jerry White, voraussichtlich Sri Lanka besuchen und am Sonntag, den 26. August 2012, auf einer Versammlung sprechen.

Mein Parteiführer und ich möchten ihn sehr gerne treffen, um unsere politischen Ansichten auszutauschen. Deshalb würden wir es außerordentlich schätzen, wenn ihr bitte ein Treffen mit ihm arrangieren könntet.

Wir bedanken uns

und erwarten eine positive Antwort

Nuresh Rajapakse,

Außenpolitischer Sekretär,

Lanka Sama Samaja Party, Sri Lanka.

* * *

Lieber Genosse Rajapakse

Eure Einladung zu einem Treffen kann ich nicht akzeptieren. Ich bin nach Sri Lanka als US-Präsidentschaftskandidat gekommen, als Gast unserer Schwesterpartei Socialist Equality Party, und nicht, um private Diskussionen mit irgendeiner anderen politischen Partei zu führen.

Ich bin bestens vertraut mit der Lanka Sama Samaja Party und der führenden Rolle, die sie in den 1930er und 1940er Jahren in der sozialistischen Bewegung Südasiens spielte. In der Tat ist die Workers League, die Vorgängerin der Socialist Equality Party in den USA, auf der Grundlage der Lehren aus dem Verrat entstanden, den Eure Partei an den revolutionären Prinzipien beging, für die sie einst gekämpft hatte.

Insbesondere betraf dies die Entscheidung der LSSP, 1964 in die Koalitionsregierung von Frau Bandaranaike einzutreten. Dies war der erste Fall der Geschichte, bei dem eine Partei, die sich trotzkistisch nannte, in eine bürgerliche Regierung eintrat. Diese Entscheidung hatte tragische Konsequenzen für die Arbeiter und unterdrückten Massen von Sri Lanka und ganz Asien.

Es ist Jahrzehnte her, seitdem sich unsere politischen Tendenzen getrennt haben, und aus diesem Grund glaube ich nicht, dass eine Diskussion von Partei zu Partei irgendeinen Gewinn bringen würde.

Hochachtungsvoll

Jerry White