Deutsche Bank streicht mehrere Tausend Stellen

Von Konrad Kreft
29. September 2012

Vor einer Woche berichtete die Süddeutsche Zeitung, die Deutsche Bank werde in ihrer Frankfurter Zentrale sowie bei der Postbankzentrale in Bonn insgesamt 543 Stellen streichen. 80 Prozent, also knapp 400 Arbeitsplätze, entfallen auf die Bonner Postbank, teilte das Blatt mit. Dieser Abbau von Arbeitsplätzen im Privatkundenbereich gelte nur als „erster Schritt“. „Langfristig stehen mehrere Tausend Arbeitsplätze in Deutschland“ auf dem Spiel, schrieb die Zeitung.

Kurz davor hatten Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die beiden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, bekannt gegeben, der Konzern wolle bis zum Jahr 2015 Kosten von 4,5 Milliarden Euro einsparen. Bereits Ende Juli hatten die beiden erklärt, die Bank wolle weltweit 1.900 Stellen streichen, davon 1.500 im Investmentbanking, was vor allem Arbeitsplätze außerhalb Deutschlands betrifft. Weltweit beschäftigt der Konzern 100.000 Mitarbeiter. Die jetzt angekündigten Streichungen waren in der im Juli genannten Zahl nicht enthalten.

Sprecher der Deutschen Bank haben umgehend dementiert, dass außer den genannten 543 Stellen ein weiterer Personalabbau – die Süddeutsche Zeitung sprach von 6.000 Arbeitsplätzen – geplant sei. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung stellte indessen fest, dass „ein weiterer Abbau Tausender Arbeitsplätze wahrscheinlich ist, wenn die [Spar-]Ziele erreicht werden sollen“. Unter Berufung auf Gewerkschaftsschätzungen nannte sie sogar eine Zahl von 7.000 Arbeitsplätzen. Fitschen selbst sprach am 11. September von einem Stellenabbau, „der über das bislang bekannte Ausmaß hinausgeht“.

Seitdem die Deutsche Bank im November 2010 die Postbank mit ihren 20.000 Mitarbeitern mehrheitlich übernommen hat, ist sie daran interessiert, mittels Umstrukturierung und Ausgliederung bestimmter Tätigkeiten Kosten einzusparen, das heißt die Beschäftigten bluten zu lassen. „Doppelfunktionen“ in Postbank und Deutscher Bank sollen durch ihre Zusammenlegung „systematisch abgebaut“ werden.

Zur Zeit beschäftigt die Deutsche Bank im Privatkundengeschäft 42.000 Mitarbeiter, 19.000 davon bei der Postbank. Nach Warnstreiks und Protestkundgebungen der Postbankmitarbeiter hatte die Bank im vergangenen Jahr mit der Gewerkschaft einen „Sozialrahmenvertrag“ für die deutschen Filialen abgeschlossen, der betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2014 ausschließt.

Bei dem nun angekündigten Abbau von 543 Arbeitsplätzen sollen den betroffenen Beschäftigten deshalb zunächst „andere Stellen im Konzern“ angeboten werden, heißt es. Eine eigens für diese Auslagerung gegründete GmbH, der „PBC Banking Service“, soll für „nachgelagerte Dienstleistungen“ zuständig werden. Hier sollen die abgebauten Mitarbeiter der Postbank, Norisbank und Deutschen Bank zu deutlich schlechteren Vergütungs- und Arbeitsbedingungen zusammengefasst werden. Dazu sollen alle IT-Systeme auf eine einzige, die „Magellan“-Plattform überführt werden. Auf diese Weise will die Deutsche Bank jährlich 770 Millionen Euro einsparen.

Zu den „nachgelagerten Dienstleistungen“ zählen die Bereiche Wertpapierabwicklung, Kredit- und Beitragsabwicklung, Kontomanagement, Call Center und Cash, Print & Receipt Logistics. Die Deutsche Bank lässt bereits seit längerem „nachgelagerte Dienstleistungen“ in zahlreichen ausgelagerten GmbHs erledigen, die nach den neuen Einsparplänen in den „PBC Banking Service“ zusammengelegt würden.

Die FAZ geht davon aus, dass außer dem Privatkundenbereich auch die Konzernverwaltung in Frankfurt mit 36.000 Mitarbeitern von Stellenstreichungen betroffen sein wird.

Die bereits im Juli angekündigten Stellenstreichungen im Investmentbereich, wo derzeit 10.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, hatten die Vorstandsvorsitzenden mit Gewinneinbußen im zweiten Quartal begründet. Während Analysten der Deutschen Bank einen Nettogewinn von knapp einer Milliarde Euro vorhergesagt hatten, belief sich dieser tatsächlich „nur“ auf rund 660 Millionen. Auch der Gewinn im Privatkundenbereich schrumpfte im zweiten Quartal um dreizehn Prozent. Die Vorstandsvorsitzenden machen die europäische Staatsschuldenkrise dafür verantwortlich, die „das Investorenvertrauen und die Kundenaktivitäten über alle Geschäftsbereiche hinweg“ belaste.

Personalrat und Gewerkschaft spielen bei der Abwicklung von Arbeitsplätzen mit. Das verdeutlicht der Hinweis der Deutschen Bank auf „die konstruktiven Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über die Personalentwicklung in den kommenden Jahren“.

Konzernbetriebsrat Alfred Herling, der im Aufsichtsrat sitzt, stellt sich auf Einschnitte ein und ist zufrieden mit der Versicherung des Vorstandes, er wolle frühzeitig auf den Betriebsrat zugehen. Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV), der bislang mit den Konzernspitzen verhandelt hat, erhält demnächst Unterstützung: Verdi-Chef Frank Bsirske, der im Aufsichtsrat der Postbank sitzt, plant für das nächste Jahr auch den Einzug in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Im April hatte der DBV die Tarifverträge mit den ausgelagerten Gesellschaften aufgekündigt, um „grundsätzlich bessere Rahmenbedingungen für die Angestellten“ zu erreichen. „Unter Streikdrohungen“, behaupten Presseberichte, wolle er für die knapp 1.500 ausgelagerten Beschäftigten Bedingungen aushandeln, wie sie für die Postbank-Angestellten gelten. Ein Flugblatt des DBV vom 31. August weist indessen darauf hin, dass bislang nirgends ein Tarifabschluss vorliegt. „Für die meisten Tochterunternehmen wurden Verhandlungen noch nicht einmal aufgenommen“, heißt es darin.

Die beiden Gewerkschaften ebnen dem Konzern den Weg zu profitablen Einsparungen auf Kosten der Angestellten. Sie „drohen“ mit Streik, unternehmen aber nichts und stellen so sicher, dass der Konzern ausreichend Zeit gewinnt, um den Stellenabbau und die Kürzungen umzusetzen.

Die Sparmaßnahmen betreffen nicht nur die Deutsche Bank, sondern den gesamten Bankensektor. So rechnen auch die Beschäftigten der Commerzbank mit Angriffen auf ihre Arbeitsplätze. Von 56.000 Mitarbeitern der Commerzbank arbeiten 18.000 im Privatkundenbereich. Aufgrund der Gewinneinbußen in dieser Branche war bereits bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz im August von Filialschließungen und Stellenabbau die Rede. Am 8. November sollen die Ergebnisse für das dritte Quartal vorgestellt werden. Es wird davon ausgegangen, dass dann auch der Abbau von Stellen angekündigt wird. Laut Presseberichten hat die Konzernleitung bis zu 2.000 Arbeitsplätze ins Visier genommen.