Sri Lanka:

Mai-Versammlung von SEP und ISSE in Colombo

Von unserem Korrespondenten
12. Mai 2012

Die Socialist Equality Party (SEP) und die International Students for Social Equality (ISSE) haben Anfang Mai in der New Town Hall im Zentrum von Colombo eine Versammlung zum Ersten Mai durchgeführt. Mehr als 200 Arbeiter und Jugendliche aus der Stadt, den Plantagen, aus Jaffna und anderen Teilen der Insel nahmen an der Versammlung teil.

K. Ratnayake, Mitglied des Politischen Komitees der SEP, leitete die Versammlung. Er sandte Grüße an die anderen Parteien des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI). Er forderte die srilankischen Arbeiter auf, die reaktionäre Botschaft zum Ersten Mai von Präsident Mahinda Rajapakse „mit Verachtung zu strafen“. Der Präsident hatte die Bevölkerung aufgerufen, sich unter der Nationalfahne zu versammeln und die internationalen „Verschwörungen“ zu besiegen, die das Land angeblich destabilisierten.

Die wirkliche Verschwörung, erklärte Ratnayake, habe ihren Ursprung im Regierungsgebäude des Präsidenten selbst und richte sich gegen die arbeitende Bevölkerung. Der Präsident versuche, die Diktate des IWF durchzusetzen.

Vilani Peiris, ebenfalls Mitglied des politischen Komitees der SEP, gab einen Überblick über die Krise in Südasien. Amerikanische Drohnenangriffe hätten schon das Leben von dreitausend Zivilisten in Pakistan gefordert. Das führe zu wachsender Opposition gegen den Krieg und den Imperialismus. Die Obama-Regierung stärke ihre strategische Partnerschaft auch mit Indien und übe Druck auf Neu-Delhi aus, die Kriegsvorbereitungen gegen den Iran und Syrien zu unterstützen. Indien habe jüngst eine Langstreckenrakete getestet, was die Spannungen mit China und Pakistan verschärft habe.

Das Mitglied des Politischen Komitees der SEP, M. Thevarajah, sprach auf tamilisch zu der Versammlung. Er erklärte die zynischen politischen Kalkulationen hinter der Resolution des UNHCR, in der die srilankische Regierung wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen beim Krieg gegen die Befreiungstiger von Tamil Eelam kritisiert wird.

„Die wirklichen Interessen der tamilischen Massen in Sri Lanka haben diese Mächte nie interessiert. Das gleiche muss über die bürgerlichen tamilischen Parteien gesagt werden, deren zentrales Ziel immer war, sich einen Platz am Tisch des Establishments in Colombo zu sichern“, fügte er hinzu.

Der Leiter der ISSE, Kapila Fernando, sagte: “Die Sparpolitik, welche die Regierungen in aller Welt entfesselt haben, stellen Arbeiter und Jugendliche auf allen Kontinenten vor große Probleme. In Amerika, Asien und Europa ist die Jugendarbeitslosigkeit teils bis auf fünfzig Prozent gestiegen.“

In Sri Lanka, erklärte Fernando, rufe die Inter-University Students Federation (IUSF) die Studenten immer wieder zu Protesten auf. Aber die IUSF versuche, die Proteste auf nutzlose Appelle an die srilankische Regierung zu orientieren. Fernando rief die Jugend auf, sich der Arbeiterklasse und dem Kampf für den Sozialismus zuzuwenden.

Wije Dias Wije Dias

Die Hauptrede auf der Versammlung hielt der Generalsekretär der SEP, Wije Dias. Er erinnerte die Zuhörer an die internationale politische Lage vor einem Jahr, als inmitten eines neuen Stadiums der weltkapitalistischen Krise in Nordafrika und dem Nahen Osten Massenaufstände ausbrachen.

“Diese Kämpfe breiteten sich in die USA aus, das Zentrum des Weltkapitalismus. Dort knüpften die Arbeiter in Wisconsin mit ihrem Kampf an den Sturz der Mubarak-Diktatur an. Dann folgte Occupy Wall Street, eine Bewegung, die sich über mehrere Kontinente ausbreitete. Sie ließ bereits den Kampf gegen soziale Ungleichheit in internationaler Form erkennen.“

“Wir haben diese Entwicklungen unterstützt”, sagte Dias. „Aber wir haben auch die riesige Kluft erkannt, die zwischen dem Niveau des politischen Bewusstseins der Beteiligten und der objektiven Situation klafft. Die Hauptfrage ist das Fehlen einer revolutionären Perspektive und Führung.“

Er fuhr fort: „Das IKVI erkannte die entscheidende Herausforderung, vor der die Massen standen, und kämpfte für die Überwindung des Einflusses der Pseudo-Linken, welche in Tunesien und Ägypten die Moslemfundamentalisten und in den USA, in Griechenland und andern Ländern die Gewerkschaftsbürokratie unterstützten.“

Dias erklärte, welche Bedeutung die Verteidigung des politischen Erbes Leo Trotzkis habe, des größten revolutionären Strategen des zwanzigsten Jahrhunderts. Er skizzierte die Schlüsselrolle, die David North, der Nationale Vorsitzende der amerikanischen SEP, gespielt habe, indem er die Lügen und historischen Fälschungen über Trotzki in den Büchern des britischen Historikers Robert Service und anderer Akademiker entlarvt hat.

Die Versammlung applaudierte, als Dias bekannt gab, dass die SEP in Sri Lanka zum Ersten Mai eine singhalesische Übersetzung von Norths “Verteidigung Leo Trotzkis” herausgebracht habe.

Dias berichtete auch über die Initiativen der SEP seit ihrem Gründungskongress im Mai vergangenen Jahres, z.B. ihre Intervention in dem längeren Streik der Maruthi Suzuki Autoarbeiter im indischen Haryana und ihre detaillierte politische Entlarvung des 20. Parteitags der stalinistischen KPI-M (Kommunistische Partei Indiens-Marxisten) auf der WSWS.

“Die Weltwirtschaftskrise hat sich in Sri Lanka stark ausgewirkt”, fuhr Dias fort. „Auf Anweisung des IWF hob die Regierung im November den festen Wechselkurs der Rupie auf, woraufhin sie in den folgenden sechs Monaten gegenüber dem Dollar um fast siebzehn Prozent abwertete. Die Preise für wichtige Waren sind auch auf Grund neuer Steuern gestiegen, während die Löhne eingefroren waren. Demokratische Rechte werden angegriffen und gegen die breitesten Bevölkerungsschichten wird eine soziale Konterrevolution entfacht.

Unter diesen Bedingungen schüren die Ex-Radikalen der NSSP [Nava Sama Samaja Party] der USP [Vereinigte Sozialistische Partei] Illusionen in die rechte UNP [United National Party] als Verteidigerin der Demokratie. Das ist die Partei, die den rassistischen Krieg im Norden begonnen hatte, und die für das Massaker an Zehntausenden Landjugendlichen im Süden verantwortlich ist“, sagte er.

Dias erklärte, dass die pseudolinke NSSP und die USP in Colombo eine gemeinsame Maikundgebung mit der Sozialistischen Partei durchführten, einer Abspaltung von der singhalesisch-chauvinistischen JVP. In Jaffna hätten die NSSP und die USP eine Versammlung mit der UNP und der bürgerlichen Tamil National Alliance organisiert.

Der Redner erklärte, dass diese Manöver darauf abzielten, die Entwicklung einer sozialistischen Massenbewegung der Arbeiterklasse zu verhindern. Sie sollen, erklärte Dias, die Arbeiterklasse mit Nationalismus verwirren und sie von ihren internationalen Klassenbrüdern abschneiden.

“Nur die SEP mit ihrer revolutionären Perspektive kämpft für die Interessen der Arbeiterklasse und der Unterdrückten. Sie kämpft für den Sturz des Kapitalismus und für die Errichtung einer sozialistischen Republik von Sri Lanka und Eelam, als Teil einer Union sozialistischer Republiken Südasiens und weltweit“, schloss Dias.

Der Büchertisch der SEP Der Büchertisch der SEP

Der Büchertisch der SEP stieß auf lebhaftes Interesse. Bücher für 18.000 Rupien wurden verkauft. Das entspricht dem Lohn eines srilankischen Arbeiters für zwei Monate. Auch der Spendenaufruf der Partei auf der Versammlung fand großen Widerhall. Es wurden 17.000 Rupien gesammelt.