Manroland: WSWS-Artikel löst Debatte über IG Metall aus

Von unserem Reporter
24. Januar 2012

Diskussionstreffen der PSG und WSWS
Wie weiter im Kampf um die Arbeitsplätze?
Mi. 25. Januar 2012 um 18:00 Uhr
Pizzeria Piccolo-Süd (Mühlheimer Straße 408, 63075 Offenbach)
Es spricht: Ulrich Rippert (WSWS-Redakteur und Vorsitzender der PSG)

Am vergangenen Samstag antwortete der Chefredakteur der Offenbach-Post, Frank Pröse, auf den Artikel „Manroland wird zerschlagen – ein abgekartetes Spiel“, der am Vortag auf der WSWS erschienen war. Unter der Überschrift „Ungute Gefühle“ schreibt er: „Ja, wir bewegen uns auf dünnem Eis, wenn wir Ulrich Rippert von World Socialist Web Site zitieren, der in der Zerschlagung von ‚manroland‘ ein abgekartetes Spiel sieht.  Aber für diese Einschätzung gibt es auch gute Gründe.“

Rippert greife ein „heißes Thema“ auf, wenn er der IG Metall vorwerfe, sie habe „die Interessen der Belegschaft verraten“, schreibt Pröse. Es sei aber nicht von der Hand zu weisen, „dass die Arbeitnehmervertreter mit ihrer Zustimmung zur Zerschlagung des renommierten Druckmaschinenherstellers durch den Lübecker Mischkonzern Possehl nicht nur die Belegschaft irritieren“.

Selbstverständlich lasse sich ein abgekartetes Spiel vermuten, „wenn man berücksichtigt, dass Possehl-Chef Lüder, IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner und schließlich auch Insolvenzverwalter Werner Schneider ihr Vorgehen beim insolventen Augsburger Unternehmen Böwe Systec ausprobieren konnten“, meint der Chefredakteur der Offenbach-Post. „Der Ablauf des Verfahrens, die Parallelen zur Augsburger Böwe-Systec-Pleite und schließlich die von IG Metall und Betriebsrat abgesagten Großdemonstrationen aller „manroland“-Mitarbeiter fügen sich zu einer Gemengelage, die auch Außenstehenden das ungute Gefühl vermittelt, dass Arbeitnehmervertreter, Insolvenzverwalter und Vertreter von Possehl unter einer Decke stecken.“

Pröses Kommentar löste heftige Diskussionen aus. Auf der Online-Plattforum der Offenbach-Post nahmen in kurzer Zeit 21 Leser Stellung, darunter viele Manroland-Beschäftigte, die den Betriebsrat und die IG Metall scharf angriffen.

Bereits der erste Kommentar beginnt mit den Worten: „Genau das ist es. Die IG-Metall hat ausgedient. Sie ist einfach nur noch zum kotzen. Schröder [gemeint ist der frühere SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder], ein Freund der IG-Metall. Riester [Schröders Arbeitsminister], IG-Metall Mitglied und Babbler. Peter Hartz, IG-Metall Mitglied und Verursacher der Hartz IV Reform.“ Der Schreiber beendet seinen Kommentar mit der Feststellung: „IG-Metall denkt nur an sich und vertritt NICHT die Beschäftigten.“

Darauf folgt eine zaghafte Verteidigung der Gewerkschaft von einem, der sich „Bos“ nennt: „Und warum ist die Belegschaft dem Betriebsrat dann nicht auf die Füße getreten? Irgendwer muss den doch gewählt haben?“

Ihm antwortet „Babbelmö“: „Wir haben versucht denen auf die Füße zu treten, aber die sitzen so fest im Sattel, da hatte man keine Chance.“ Er schildert wie Arbeiter versucht haben, das Wahlverfahren zu ändern und durch Persönlichkeitswahlen mehr Einfluss auf die Zusammensetzung des Betriebsrats zu nehmen, was aber abgelehnt worden sei. Beim nächsten Mal hätten wieder Listenwahlen stattgefunden. „Da standen dann all die wieder drauf, die man nicht haben wollte.“

„Wenn Kollegen neu nachrückten, hieß es: Wir machen es besser, aber schon nach kurzer Zeit merkte man, dass sie das gleiche machten, wie alle ihre Vorgänger.“

Die Betriebsrats-Vorsitzende Alexandra Roßel, die auch im Aufsichtsrat sitzt, sei „hinter unserem Rücken“ gewählt worden. „Sie hat es bis heute nicht für nötig gefunden sich mal bei den Blaumännern persönlich in der Werkstatt vorzustellen.“

Der nächste Kommentator macht seiner Wut folgendermaßen Luft: „Ich war ein Mitglied der IG Metall für 15 Jahre, als Mitarbeiter bei Roland. Hatte keine Wahl, es war ein Muss. Demokratie? Nein!“ In dieser Zeit habe die IG Metall „nur die Interessen des Arbeitgebers vertreten“. Die Gewerkschaften seien nur darauf bedacht, ihre Funktionäre und ihren Apparat zu versorgen. „Mit anderen Worten: Nutzlos und nur auf sich selbst bedacht.“

Ein „Robby“ berichtet über die Opposition der Offenbacher Belegschaft gegen den letzten „Spar-Tarifvertrag“, der dann doch von der IG Metall durchgesetzt worden sei, und fügt an: „Jeder, der immer noch Mitglied der IG Metall bleiben möchte, weil er immer noch daran glaubt, dass sie die Interessen der Beschäftigten vertritt, ist selber schuld! Herausgeworfenes Geld und ein Freibrief für die IG Metall sich weiter nach Lust und Laune auf dem Rücken der Gesellschaft auszutoben!“

Ein Kollege aus Augsburger (mra) schildert die Auseinandersetzung auf einer Betriebsversammlung und schreibt: „Fakt ist, dass auf einer Betriebsversammlung in Augsburg der Betriebsratsvorsitzende ausgebuht wurde und nicht der Vorstand. Auslöser war übrigens ein dort anwesender Kollege aus Plauen – Respekt!“

Schließlich meldet sich nochmal „Babbelmö“ mit den Worten: „Ich bin seit 27 Jahren Roländer, heute wahrscheinlich den letzten Tag.“ Er ist wütend und spricht von der IG Metall als einem „Verbrecherhaufen“. Er schildert wie die Beschäftigten der drei Standorte systematisch gegeneinander ausgespielt wurden. „Das schlimmste ist das die Kollegen immer für dumm verkauft worden sind, der Betriebsrat und die IGM haben die Werke immer gegeneinander ausgespielt, dass kam aber immer erst dann raus, wenn Kollegen aus anderen Werken hier waren, und die gefragt haben, warum wir anders abgestimmt haben wie die anderen. Dann stellte sich heraus, dass meistens alle Kollegen bei Abstimmungen gleich gestimmt haben, aber der Betriebsrat immer sagte z.B. in Plauen und Augsburg wurde anders gestimmt, Ihr seid überstimmt worden und umgekehrt in Plauen hieß es: Offenbach und Augsburg haben anders abgestimmt als ihr.“

Er endet seinen Eintrag mit den Worten: „...wer Interesse daran hat sich unseren Verrat mal genauer zu betrachten, der sollte mal auf die Seite von World Socialist Web Site gehen und den Bericht lesen, wie sie uns schon im Vorfeld unter der Hand verkauft haben. Da hatte kein anderer Investor mehr eine Chance. Das war nur ein Spiel, um die Öffentlichkeit zu täuschen.“

Bleibt noch der Hinweis: Die Debatte über die Erfahrungen bei Manroland und die Rolle der IG Metall muss nicht auf die Kommentarspalten der Offenbach-Post beschränkt bleiben. Die WSWS-Leserseite kann auch direkt erreicht werden unter: www.wsws.org/de. oder: psg@gleichheit.de