Bob King, Präsident der US-Autogewerkschaft, an der Wall Street

Von Jerry White
20. November 2010

Als der CEO von General Motors, Dan Akerson, am Donnerstagmorgen die Eröffnungsglocke der New Yorker Börse läutete, stand direkt hinter ihm Bob King, der Präsident der amerikanische Autoarbeitergewerkschaft UAW (United Auto Workers). Während der Handel einsetzte, konnte man sehen, wie der UAW-Führer enthusiastisch applaudierte und auf einer mit GM-Logos geschmückten Bühne Gratulationen mit versammelten Investment-Bankern und Vorstandsmitgliedern austauschte.

Die Veranstaltung war eine kleine, aber enthüllende Demonstration des Charakters der UAW – einer Organisation, die den Interessen der Arbeiter absolut feindselig gegenübersteht. Kein Führer einer Arbeiterorganisation hätte an einer solchen Veranstaltung teilnehmen oder auch nur eine Teilnahme in Erwägung ziehen können. Schließlich rieben sich die versammelten Anwesenden über die Profite von GM die Hände, die hauptsächlich durch einen brutalen Angriff auf die Arbeitsplätze und den Lebensstandard der Arbeiter wieder sprudeln.

King weidete sich förmlich an der Atmosphäre und erzählte den Detroit News, dies sei ein historischer Tag und er freue sich über einen hohen Eröffnungspreis für GM-Aktien. „Heute ist der Geburtstag eines neuen Unternehmens“, sagte er. „Es ist ein vollkommen anderes und bereit für den Erfolg.“

Wie aber ist dieses neue Unternehmen entstanden? In einem Prospekt, der an globale Investoren verteilt wurde, erklärt die Firma, sie hätte ihre nordamerikanische „Kostenstruktur unter Kontrolle bekommen“. Dort heißt es: „Wir haben dies geschafft mittels Markenrationalisierung, Einschränkung der Produktionsstätten, fortschreitender Optimierung des Einzelhändlernetzes, Personal- und Kostenabbau bei Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten, Restrukturierung von Tarifvereinbarungen und Übertragung der Verpflichtungen im Gesundheitsbereich an die neue VEBA.“

Weiter hieß es: „Etwa 43 Prozent unserer Fahrzeuge werden in Regionen hergestellt, die wir für Niedriglohn-Produktionsstätten halten, wie China, Mexiko, Osteuropa, Indien und Russland, mit Bruttolöhnen von unter 15 Dollar pro Stunde.“

Nichts davon hätte ohne die aktive Mitarbeit der UAW erreicht werden können, die jeden Widerstand der Autoarbeiter dem Diktat der Wall Street, der Autobosse und der Obama-Administration untergeordnet hat. Die UAW stimmte weitreichenden Zugeständnissen zu, einschließlich der Einführung eines 14-Dollar-Stundenlohnes für alle neuen Arbeiter – einer Schlüsselmaßnahme, um die auseinanderklaffende Lücke zwischen amerikanischen Arbeitern und ihren brutal ausgebeuteten Kollegen in Asien und Lateinamerika zu schließen.

King versäumte am Donnerstag nicht, Obama ausschweifend zu loben und sagte, der Präsident habe „in eine amerikanische Firma und amerikanische Arbeiter investiert“. In Wirklichkeit hat die Regierung in die UAW investiert, deren Funktionären für ihre Dienste Millionen von GM-Aktien zugeteilt wurden.

Für King und die UAW war der Börsengang ein großer Erfolg. Die UAW verkaufte 102 Millionen GM-Aktien aus ihrer VEBA-Gesundheitskasse und machte damit schätzungsweise 3,5 Milliarden Dollar Gewinn. Die Funktionäre der UAW haben so über Nacht ihr Vermögen vervierfacht. Der Geldsegen für die UAW erzeugte im Detroiter Hauptquartier, dem „Solidaritätshaus“, und in den regionalen und örtlichen Gewerkschaftsbüros überschäumende Begeisterung.

Nichts zu feiern gab es dagegen für die 20.000 UAW-Mitglieder, die in der Firmenrestrukturierung ihre Jobs verloren haben. Und auch für die vielen Arbeitergemeinden in Michigan, Ohio, Indiana und anderen Staaten, die von Firmenschließungen, Massenentlassungen und Händlerinsolvenzen betroffen sind, war der Börsengang alles andere als ein Erfolg.

Ein GM-Arbeiter, der gegen die 50prozentige Lohnkürzung, die den Arbeitern im Presswerk in Indianapolis von der UAW aufgedrückt werden sollte, gekämpft hatte, sagte, während er zusah, wie King zusammen mit den Autobossen und Finanzspekulanten jubelte: „Es begeistert King offensichtlich, sich in die eigene Tasche zu wirtschaften.“

Es gibt nicht den geringsten Zweifel, dass die UAW-Funktionäre es zu Wohlstand bringen werden. Dies unterstreicht nur die Klassen-Kluft zwischen der Arbeiterbasis und den gehobenen Mittelstandsunternehmern und aufstrebenden Kapitalisten, die die UAW führen.

Selbst nach ihrem Aktienverkauf wird die UAW 13 Prozent ihrer Anteile an GM und einen Sitz im Vorstand der Firma behalten. Das schafft den Firmenagenten in der UAW auch in Zukunft einen direkten finanziellen Anreiz, mit dem Autohersteller zusammenzuarbeiten, wenn es darum geht, Lohnkosten zu senken.

Kings Auftritt war ein Signal an die Wall Street, dass die „Neue UAW“ alles tun wird, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Profite ihrer Autobosse zu mehren. King sagte bei früherer Gelegenheit, die UAW des 21. Jahrhunderts sehe die Autofirmen nicht mehr als „Gegner und Feinde, sondern als Partner bei Innovation und Qualitätsstandards.“ Was die Arbeiter angeht, so erklärte er letzten Monat in Lansing, Michigan: „Wir wissen, dass es sehr hart ist, eine Familie mit 15 Dollar die Stunde über Wasser zu halten, aber wir wissen auch, dass wir General Motors, Ford und Chrysler wettbewerbsfähig halten müssen.“

Kings Wall-Street-Spektakel unterstreicht die Tatsache, dass die UAW ihren Mitgliedern in keiner Weise verantwortlich fühlt. Es entlarvt all jene – einschließlich der Pseudo-Linken und verlogenen „Gewerkschaftsabweichler“ – die behaupten, die UAW könne durch Druck von unten reformiert werden.

Autoarbeiter können den Kampf zur Verteidigung ihrer Arbeitsplätze und ihres Lebensstandards nur aufnehmen, wenn sie ein für alle Mal mit dieser verrotteten Organisation brechen. Neue Kampforganisationen – von den Arbeitern selbst kontrollierte Basiskomitees – müssen unabhängig und in Opposition zur UAW gegründet werden. Diese Kämpfe müssen von einer neuen Perspektive geleitet werden, die sich auf die Einheit und die Initiative der Arbeiterklasse gründet und die Allianz der UAW mit den Demokraten, ihrem wirtschaftlichem Nationalismus und ihrer unverwüstlichen Verteidigung des kapitalistischen Systems zurückweist.