Erneut Halbierung der Löhne durch GM und UAW

Von Tom Eley
8. Oktober 2010

Die Autoarbeitergewerkschaft United Auto Workers (UAW) gab am Sonntag einen neuen Präzedenzfall mit massiven Lohnsenkungen bekannt. Vierzig Prozent der im General-Motors-Werk Lake Orion beschäftigten Arbeiter sollen eine Halbierung ihres Lohns auf ungefähr vierzehn Dollar hinnehmen, sobald das vorübergehend still gelegte Werk in Michigan wieder angefahren wird, um einen neuen Kleinwagen zu produzieren.

Es ist das erste Mal, dass der Stundenlohn von vierzehn Dollar einer Altbelegschaft aufgezwungen wird. Bisher wurde er im Zuge der Reorganisation der Autoindustrie im vergangenen Jahr durch die Obama-Regierung im Großen und Ganzen nur Neueingestellten zugemutet. Doch in Lake Orion sollen auch Arbeiter mit einer Betriebszugehörigkeit von bis zu elf Jahren nach dem niedrigen Tarif bezahlt werden. Das betrifft etwa 500 der 1.300 Beschäftigten.

Die Arbeiter werden keine Gelegenheit haben, über die Vereinbarung abzustimmen, die bis mindestens 2015 Gültigkeit haben soll. Die Einzelheiten wurden den Arbeitern erst vergangenen Sonntag mitgeteilt.

Die Vereinbarung stützt sich auf vage Formulierungen im Tarifvertrag von 2009, der den Mitgliedern unter dem Damoklesschwert des Bankrotts aufgenötigt worden war. Er erlaubt es GM und der UAW, für die Produktion kleiner Autos „innovative Tarifbestimmungen“ zu verordnen. Wie es heißt, soll Obamas Auto Task Force auf dieser Bestimmung als Bedingung für den Rettungsplan der Autoindustrie bestanden haben.

Die Lohnkürzung bei Lake Orion im Norden von Detroit ist der jüngste Schlag in einem Generalangriff auf die Löhne amerikanischer Arbeiter, den die Obama-Regierung und ihre Verbündeten in den Gewerkschaften führen. Bei dem Presswerk von GM in Indianapolis führen die Arbeiter zurzeit einen erbitterten Kampf gegen die UAW, die ihnen eine fünfzigprozentige Lohnsenkung aufnötigen will, um den Verkauf des Werks an den Finanzinvestor J.D. Norman zu ermöglichen.

Während die Löhne der Arbeiter auf Armutsniveau gedrückt werden, streichen Vorstände und Aktienbesitzer die Profite ein. Vorstandschef Daniel Akerson von GM wird Einkünfte von jährlich neun Millionen Dollar haben, davon 1,7 Millionen als Festgehalt. Sein Vorgänger Ed Whitacre nimmt für nur acht Monate als Vorstandschef 6,4 Millionen Dollar mit. Allein 300.000 Dollar erhält er dafür, dass er vom 1. September bis Ende des Jahres als Konzernvorsitzender an Bord bleibt. Gebilligt wurde die Vereinbarung auch von Kenneth Feinberg, Präsident Obamas „Entlohnungszar“ für Firmen, die über das TARP-Programm (Troubled Asset Relief Program) gerettet wurden.

Im Gegensatz dazu haben Autoarbeiter durch Obamas Reorganisation der Autoindustrie im Durchschnitt sieben- bis dreißigtausend Dollar an Löhnen und Sozialleistungen verloren, wie die New York Times errechnet hat.

Die UAW feierte die Lake-Orion-Vereinbarung. „Es funktioniert: Wir halten Arbeitsplätze in Amerika“, sagte Mike Dunn, der Vertreter des Ortsverbands 5960 der UAW. Dunn meint natürlich, es „funktioniert“ für den UAW-Vorstand, der weiterhin die Beiträge jener Arbeiter kassieren kann, denen er gerade die Löhne halbiert hat. Über die Arbeiter sagte Dunn: „Ich kann nicht gerade sagen, dass alle glücklich sind, aber wie es scheint, haben sie es verstanden.“

In der Tat haben die Arbeiter einiges verstanden, so zum Beispiel, dass die UAW und der AFL-CIO nicht mehr „ihre Gewerkschaften“ sind sondern ihre Feinde.

“Keiner hier ist zufrieden”, sagte die Arbeiterin Kandy O’Neill der World Socialist Web Site. Viele werden ihre Häuser verlieren. Die UAW vertritt uns nicht. Ich weiß jedenfalls, dass sie mich nicht vertritt.“

Mit einer Betriebszugehörigkeit von zehn Jahren gehören O’Neill und ihr Mann, der auch in dem Werk arbeitet, zu denen, deren Lohn um fünfzig Prozent gekürzt werden soll. O’Neill ist die Arbeiterin, die im November 2008 von New York Times-Kolumnist Ross Sorkin als Beispiel für Autoarbeiter herausgepickt wurde, die angeblich im Luxus lebten und „vergoldete“ und „nicht zu rechtfertigende“ Löhne und Zusatzleistungen erhielten.

Ein weiterer Arbeiter mit zehnjähriger Betriebszugehörigkeit, Jose Facundo, verurteilte das Abkommen in einer Stellungnahme gegenüber der Detroit News. „Es ist empörend. Dem haben wir nie zugestimmt“, sagte er. „Niemals wurde darüber gesprochen. Das steht nicht in unserem Vertrag. Was uns angeht, ist das illegal.“

Die UAW macht kein Hehl daraus, dass es ihr wesentliches Ziel ist, den Profit von GM zu maximieren. Dunn sagte gegenüber einer Industriezeitschrift, die Lohnkürzung sei notwendig, um die Produktion des Aveo profitabel zu machen. „Es ist ein integraler Teil des Plans“, sagte Dunn der Automotive News.

Wenn es Arbeitern nicht passt, zum halben Lohn zu arbeiten, können sie ja gehen, – so die Logik der UAW. „Wenn einige der 1.500 Lake Orion Arbeiter, die jetzt auf Kurzarbeit sind, nicht für den niedrigeren Lohn arbeiten wollen, können sie sich im Pool der Arbeiter eintragen lassen, die eine andere Stelle bei GM suchen“, zitiert die Detroit Free Press einen Gewerkschaftsvertreter. In dem „Versetzungspool“ der UAW stehen zurzeit x-Tausend Arbeiter, von denen die meisten keine Chance haben, jemals wieder bei GM Arbeit zu bekommen.

Das Werk Lake Orion ist zurzeit wegen Umrüstung geschlossen. Bis zum vergangenen Jahr wurden hier große Modelle für Chevrolet montiert, wie auch für Pontiac, eine Marke, die der GM-Reorganisierung zum Opfer gefallen ist. Lake Orion hat eine Ausschreibung für die Herstellung des Aveo von Chevrolet gewonnen und damit die GM-Werke in Spring Hill (Tennessee) und Janesville (Wisconsin) ausgestochen. Die Werke in Spring Hill und Janesville wurden dicht gemacht.

Der neue Chevrolet Aveo, den GM als “globale Marke“ bezeichnet, wird außerdem in Südkorea gebaut.

GM lobte die Rolle der UAW bei der Lohnkürzung: “GM hat eng mit der UAW zusammengearbeitet, um einen neuen und innovativen Vertrag zu kreieren. Er wird es dem Werk erlauben, flexibel und schlank zu sein – was wesentlich ist, um in diesem stark umkämpften Kleinwagenmarktsegment zu bestehen“, sagte Sprecherin Kim Carpener.

Die WSWS fordert Autoarbeiter in Lake Orion und im ganzen Land auf, dem Beispiel der Arbeiter in Indianapolis zu folgen, die die Initiative ergriffen und ein unabhängiges Basiskomitee gegründet haben, das sich von der UAW distanziert. Für weitere Informationen, nehmt Kontakt mit der World Socialist Web Site auf!