Roman Polanski verurteilt juristische Hetzkampagne gegen ihn

Von Hiram Lee
8. Mai 2010
Roman Polanski Roman Polanski

Roman Polanski gab am Dienstag voriger Woche eine Erklärung heraus, in der er die juristische Verfolgung gegen ihn scharf verurteilte. Dies ist das erste Mal, dass der Filmemacher selbst über die Tortur spricht, der er seit seiner Inhaftierung im September 2009 ausgesetzt ist.

In der Erklärung sagt Polanski, dass der Auslieferungsantrag der US-Behörden an die Schweiz, wo er gegenwärtig unter Hausarrest steht, "auf einer Lüge" beruhe. "Die Vereinigten Staaten fordern weiterhin meine Auslieferung", schreibt Polanski. "Sie tun dies mehr, um mich den Medien auf dem Silbertablett zu servieren, als um ein Gerichtsurteil zu fällen, über das schon vor 33 Jahren eine Vereinbarung getroffen wurde."

In dem ursprünglichen Prozess von 1977 hatte Polanski sich schuldig bekannt, unerlaubten Sexualverkehr mit einem Mädchen im Teenageralter gehabt zu haben. Der Vorsitzende Richter in dem Verfahren Laurence J. Rittenband, hatte verfügt, dass Polanski sich einer 90-tägigen diagnostischen Behandlung in dem staatlichen Gefängnis von Chino zu unterziehen hätte, was in Wirklichkeit auf eine Strafe hinauslief.

Eine neue Zeugenaussage von Roger Gunson, der an dem ursprünglichen Verfahren als Staatsanwalt beteiligt war, bestätigt Polanskis Aussage in seiner Erklärung, dass Richter Rittenband, "am 16. September 1977 allen beteiligten Parteien gegenüber festgestellt hat, dass meine Haftstrafe in Chino die gesamte Strafe sei, die ich abzuleisten hätte."

Als das Diagnose-Programm in Chino mit einer vorzeitigen Entlassung und der Empfehlung einer Bewährungsfrist endete, wurde Richter Rittenband wütend und machte deutlich, dass er die getroffenen juristischen Vereinbarungen aufheben und Polanski zu einer erheblichen Gefängnisstrafe verurteilen wollte. Polanski fürchtete daraufhin, er könne in den USA kein gerechtes Verfahren mehr erhalten, und floh aus dem Land.

Polanski stellt in seiner Erklärung fest: "Der besagte [Auslieferungs]antrag geht davon aus, dass ich floh, weil ich mich der Verurteilung durch die US-Justiz entziehen wollte, aber in dem Prozess, der zu der juristischen Vereinbarung führte, hatte ich die Fakten anerkannt und war in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt, um meine Strafe anzutreten. Alles, was noch fehlte, war, dass das Gericht diese Vereinbarung bestätigte. Aber der Richter entschied, sie für ungültig zu erklären, um sich auf meine Kosten Publizität zu verschaffen."

Polanski beschuldigt die Behörden, gegenwärtig aus ähnlich verfehlten Gründen seine Auslieferung zu betreiben. Er schreibt: "Der neue Bezirksstaatsanwalt, der diesen Fall bearbeitet und meine Auslieferung beantragt hat, führt zur Zeit einen Wahlkampf und benötigt die Aufmerksamkeit der Medien!"

"Seit mehr als 30 Jahren", schreibt Polanski haben meine Anwälte immer daran festgehalten, dass ich von dem Richter betrogen wurde, der Richter sein Wort gebrochen hat und ich meine Strafe verbüßt habe. Heute hat der Staatsanwalt [Gunson], der den Fall in den 1970er Jahren bearbeitet hat - ein Mann von einwandfreier Reputation - unter Eid meine Erklärungen bestätigt und dies wirft ein neues Licht auf die Angelegenheit."

Der Filmemacher sagt, er fühle sich verpflichtet, sich jetzt selbst zu äußern, nachdem das Zweite Bezirksberufungsgericht in Kalifornien, entschieden hat, "nicht in Abwesenheit über mich zu urteilen, obwohl das gleiche Gericht das Gegenteil empfohlen hatte." Nach Meinung des Regisseurs hat das Gericht "in Missachtung aller Argumente und eidlicher Aussagen so entschieden, die von dritter Seite vorgebracht wurden". Das Gericht hatte tatsächlich im Dezember entschieden, eine Verurteilung in Abwesenheit sei geeignet, Polanskis Fall zu beenden. Das Gericht lehnte jedoch ab, den Fall endgültig einzustellen.

Polanski wandte sich gegen die Behauptung, seine Festnahme 2009 sei mit der juristischen Verfolgung eines flüchtigen Kriminellen gleichzusetzen. Polanski klagt auch die Entscheidung der Gerichte an, den Wunsch von Samantha Geimer zu ignorieren, dem Opfer, um das es bei dem Verfahren von 1977 ging. Er schreibt: "Das kalifornische Gericht hat die zahlreichen Bitten des Opfers nicht beachtet, das Verfahren gegen mich ein für alle Mal einzustellen, um sie davor zu bewahren, immer wieder gejagt zu werden, wenn diese Affäre erneut aufgegriffen wird."

Zuletzt schildert Polanski die Verluste, die er unter dem Druck dieser juristischen Verfolgung erlitten hat. "Ich wurde in Gstaad [in der Schweiz] unter Hausarrest gestellt und musste eine riesige Kaution aufbringen, was mir nur gelang, indem ich eine Hypothek auf die Wohnung aufgenommen habe, die ich seit über 30 Jahren bewohne, und indem ich von meiner Familie getrennt und nicht in der Lage bin zu arbeiten.

Diese Tatsachen wollte ich in der Hoffnung vorbringen, dass die Schweiz anerkennt, dass es keinen Grund gibt, mich auszuliefern, und damit ich Frieden finden und wieder mit meiner Familie in Freiheit in meiner Heimat leben kann."

Siehe auch:
Ein Überlebender des Warschauer Ghettos
(26. Februar 2003)
Die New York Times wirft Polanski den Wölfen zum Fraß vor
( 3. Oktober 2009)
Roman Polanskis Der Ghostwriter# eine neue Version von Metropolis und andere Fragen
( 27. Februar 2010)