Trotzkisten Sri Lankas blicken auf 40 Jahre Kampf für den sozialistischen Internationalismus zurück

Von unseren Korrespondenten
26. Juli 2008

Die Socialist Equality Party (SEP) und die International Students for Social Equality (ISSE) in Sri Lanka organisierten am 16. Juli aus Anlass des 40. Jahrestags der Gründung der Revolutionary Communist League (RCL) - der Vorgängerin der SEP - eine öffentliche Veranstaltung in Colombo. Zirka 150 Menschen nahmen daran teil, darunter Arbeiter, junge Leute, Studenten und Selbständige aus Colombo, und aus den südlichen und den nordwestlichen Provinzen und den Plantage-Bezirken in Zentral Sri Lanka.

Den Vorsitz der Veranstaltung hatte K. Ratnayake, Mitglied des Politischen Komitees der SEP und Gründungsmitglied der RCL. Er hob hervor, dass die Veranstaltung aus Anlass des Jahrestags kein Ritual sei. Das Programm des Trotzkismus, auf dem die RCL gegründet wurde, und die politischen Lehren aus den Kämpfen der letzten 40 Jahre sind von entscheidender Bedeutung für die Arbeiterklasse, die in Südasien und international in eine neue Periode revolutionärer Unruhen eintritt.

Ratnayake erinnerte dran, dass vor 40 Jahren, am 16.-17. Juni 1968, sich etwa 30 Menschen in der Workers Meeting Hall auf Slave Island in Colombo trafen, um die RCL als srilankische Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI) zu gründen. Ratnayake zollte Keerthi Balasuriya, dem Gründungssekretär der RCL Anerkennung, der von Beginn der Partei an bis zu seinem frühzeitigen Tod einen einzigartigen Beitrag für die internationale trotzkistische Bewegung geleistet hat.

Ratnayake erklärte: "Die politische Krise in Südasien nimmt in Sri Lanka unter der Regierung von Präsident Mahinda Rajapakse extreme Formen an. Die Regierung hat den Krieg im Norden und Osten wiederaufgenommen und die antitamilische ethnische Hetze verschärft, um die Arbeiterklasse zu spalten und zu schwächen. Leo Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution stand im Zentrum der Diskussion auf der Konferenz zur Gründung der RCL gegen den Verrat der Lanka Sama Samaja Party’s (LSSP) von 1964, als sie der kapitalistischen Regierung von Madame Sirima Bandaranaike beitrat. Diese Perspektive ist 40 Jahre später die einzige Alternative für die Arbeiterklasse des Subkontinents.

Ratnayake verlas die Grüße von David North, dem Nationalen Sekretär der SEP (USA) und Vorsitzenden der Internationalen Redaktion der World Socialist Web Site, und von Nick Beams, dem Nationalen Sekretär der SEP (Australien. Außerdem gab es Grüße der SEP-Genossen von der nördlichen Halbinsel Jaffna, die durch die Wiederaufnahme des Kriegs abgeschnitten wurden, von der Exilorganisation der SEP in Europa und von den Sympathisanten des IKVI in Indien.

Der Generalsekretär der SEP Wije Dias, der ebenfalls Gründungsmitglied der RCL ist, hielt die Hauptrede. Er begann: "Wir sind stolz darauf, in diesem Moment an den 40jährigen Kampf der RCL zu erinnern. Auch wenn die Teilnehmerzahl und das Lokal beim Gründungskongress der RCL klein waren, so markierten die Entscheidungen, die getroffen wurden, doch einen wichtigen Wendepunkt für die Arbeiterklasse nicht nur in Sri Lanka, sondern auch in Südasien und international.

Er zitierte aus der politischen Resolution, die vom Gründungskongress der RCL angenommen wurde, in der es hieß: "Die RCL gründet ihre Arbeit auf die ersten vier Kongresse der Kommunistischen Internationale, das Gründungsprogramm der Vierten Internationale, initiiert von Leo Trotzki 1938 und auch auf die Kämpfe, die Trotzki selbst 1939-40 und das IKVI 1953 gegen das revisionistische Programm geführt haben, das versuchte, das trotzkistische Progranm zu revidieren und in der Folgezeit die Vierte Internationale zu liquidieren."

Dias erklärte dazu: "Mit anderen Worten, die RCL basierte sich auf die wesentlichen theoretischen Grundlagen des Kampfs für die sozialistische Revolution, der im gesamten 20. Jahrhundert geführt wurde... Wenn wir 40 Jahre Geschichte des Kampfs der RCL begehen, dann um die entscheidende Bedeutung ihrer trotzkistischen Perspektive des sozialistischen Internationalismus für die Arbeiterklasse heute zu erklären.

Keins der Probleme, mit denen die Massen überall auf der Welt konfrontiert sind, kann verstanden werden ohne die tiefe Wirtschaftskrise in den USA zu verstehen, dem Zentrum des Weltkapitalismus, erklärte Dias. Er wies darauf hin, dass die Rettungsaktion der US-Notenbank für die Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac die zweite Aktion dieser Art in nur vier Monaten war, in der die US-Regierung eingriff, um große Unternehmen zu retten und einen unmittelbar drohenden Zusammenbruch des amerikanischen und des weltweiten Finanzsystems zu verhindern.

Der Redner erklärte, der Ausbruch des amerikanischen Militarismus sei ein Versuch der USA, ihre verbleibende militärische Übermacht zu benutzen, um den Niedergang ihrer wirtschaftlichen und politischen Vormachtstellung aufzuhalten. Die militärische Interventionspolitik der Bush-Regierung hat die Instabilität und die Spannungen in Südasien und anderen Teilen der Welt weiter verschärft. "Diese stürmische politische Situation kann man nicht begreifen, ohne sich auf die strategischen Lehren des Trotzkismus zu gründen", erklärte er.

Dias erläuterte, die grundlegenden Widersprüche des kapitalistischen Systems zwischen der globalisierten Weltwirtschaft und dem überholten nationalstaatlichen System und zwischen der gesellschaftlichen Produktion und dem System des Privateigentums verschärften sich und brächten die Gefahr eines dritten Weltkriegs, der mit Atombomben ausgefochten wird. Die Perspektive des sozialistischen Internationalismus, die im Zentrum der Gründung der RCL stand, seien der einzige Ausweg für die Menschheit.

Dias ging ausführlich auf die Fragen ein, mit denen sich die Gründer der RCL nach dem Verrat der LSSP 1964 beschäftigen mussten. Insbesondere untersuchte die RCL unter der Anleitung des IKVI die politischen Wurzeln der Zurückweisung des Trotzkismus durch die LSSP und ihre Anpassung an den Nationalismus. Sie führte diese Entwicklung auf die Entstehung der opportunistischen Tendenz angeführt von Michel Pablo und Ernst Mandel innerhalb der Vierten Internationale nach dem zweiten Weltkrieg zurück. Das IKVI wurde 1953 gegründet, um das Programm des Trotzkismus gegen den pablistischen Revisionismus zu verteidigen.

Die Entscheidungen, die das IKVI nach dem Verrat der LSSP traf, einschließlich der Gründung der RCL, "waren der Vorbote einer weltweiten Welle von Klassenkämpfen, die 1968 begannen und sich über sieben Jahre bis 1975 erstreckten", erklärte Dias. Verschiedene revisionistische Tendenzen halfen in dieser Periode den Kapitalismus zu stützen, unter anderem während des Generalstreiks vom Mai-Juni 1968 in Frankreich, den Kämpfen auf den Plantagen und in der Privatwirtschaft in Sri Lanka und den Unruhen nach dem Sturz der faschistisch-militaristischen Diktaturen in Griechenland und Portugal nach 1975.

Dias erklärte die lange Geschichte des Kampfs der RCL/SEP für die Prinzipien des Trotzkismus. Der Generalsekretär der RCL zur Zeit der Gründung, Keerthi Balasuriya, hat ein Buch geschrieben, in dem er die Politik und den Klassencharakter der Janatha Vimukthi Peramuna (JVP) von 1970 analysiert. Trotz ihrer tiefgehenden politischen Differenzen mit der JVP kämpfte die RCL 1971 gegen die Welle staatlicher Unterdrückung gegen die JVP und die ländliche Jugend und stellte die Forderung auf: "entlasst die politischen Gefangenen". Die RCL führte eine Kampagne gegen die rassistische singhalesisch-buddhistische Verfassung von 1972.

"Wir erinnern an diesen 40jährigen Kampf, um uns auf die gegenwärtigen politischen Kämpfe vorzubereiten. Nur die politischen und theoretischen Grundlagen, auf denen die RCL/SEP und das IKVI beruhen, können die die politischen Probleme lösen, vor denen wir heute stehen. Wir sind die einzige Bewegung, die sich stolz an ihre Geschichte erinnern und sie erklären kann. Im Gegensatz zu den politischen Organisationen, die sich an Mao, Ho Chi Minh und Che Guevara findet das IKVI Gehör bei Zehntausenden weltweit.

Dias schloss, indem er die Anwesenden aufrief "sich dem Kampf der SEP anzuschließen, die WSWS der größtmöglichen Leserschaft unter Arbeitern, Jugendlichen und Studenten zugänglich zu machen, dafür zu kämpfen sie durch die Analysen der WSWS auszubilden und dadurch die SEP als Massenpartei der Arbeiterklasse aufzubauen".

Grußbotschaft von David North dem Nationalen Sekretär der SEP (USA) und Vorsitzenden der Internationalen Redaktion der World Socialist Web Site.

Liebe Genossen

Im Namen der Socialist Equality Party der Vereinigten Staaten sende ich allen Genossen in Sri Lanka unsere revolutionären Grüße aus Anlass des 40. Jahrestags der Gründung Eurer Organisation.

Bei großen politischen Ereignissen geschieht es oft, dass ihre tiefere Bedeutung erst nach Verstreichen einer längeren Zeit klar wird. Die Gründung der Revolutionary Communist League 1968 ist ein solches Ereignis. Die Gründung der RCL stellte die Kontinuität der trotzkistischen Bewegung in einem Land her, das schon immer entscheidend für die internationale Bewegung war.

Die langwierige opportunistische Degeneration der Lanka Sama Samaja Party (LSSP), die im Juni 1964 in ihrem Eintritt in die Koalitionsregierung von Madame Bandaranaike gipfelte, war ein historischer Verrat, der einen zerrüttenden Einfluss auf die trotzkistische Bewegung auf der ganzen Welt hatte. Die internationale pablistische Bewegung hatte eine entscheidende Rolle dabei gespielt, die Entwicklung der LSSP nach rechts zu vertuschen und die Kritik, die die Pablisten äußerten, nachdem N.M. Perera Finanzminister wurde, warf wesentlich mehr Fragen auf, als sie beantwortete.

Die Ereignisse in Sri Lanka waren keineswegs isolierte Vorkommnisse. Sie waren Teil einer internationalen opportunistischen Strömung, die verheerenden Schaden in der trotzkistischen Bewegung angerichtet hat. Nur das Internationale Komitee, das 1953 gegründet wurde, war in der Lage die theoretischen und politischen Ursprünge des Verrats aus der Perspektive des Opportunismus zu erklären.

Ein Teil der LSSP brach mit der Führung und gründete die LSSP(R). Es wurde jedoch sehr schnell klar, dass diese Organisation nicht besonders erpicht darauf war, allzu genau zu untersuchen, wie es zu dem Großen Verrat gekommen war. Speziell unter der Jugend gab es jedoch eine Minderheit, die entschlossen war, für eine politische und theoretische Klärung zu kämpfen. Es waren diese Kräfte, die dann die Revolutionary Communist League gründeten, mit Keerthi Balasuriya als ihrem Generalsekretär.

In den darauf folgenden Jahren erarbeitete sich die RCL, die später zur SEP wurde, einen unanfechtbaren Ruf von politischem Mut und Integrität. Kein objektiver, politisch gebildeter Beobachter kann die Tatsache leugnen, dass die Politik der RCL/SEP von festen Prinzipien und einem außerordentlichen Maß an Weitsichtigkeit gekennzeichnet war. Von den vielen von ihr vertretenen Positionen, möchte ich nur einige der wichtigsten anführen: Ihre Kritik an der JVP zu Anfang der 1970er Jahre, als die JVP sich selbst immer noch als revolutionäre marxistische Bewegung präsentierte; ihre Opposition gegen den indisch-pakistanischen Krieg von 1971; ihr Kampf gegen die rassistische Verfassung von 1972; ihr anhaltender und unnachgiebiger Kampf gegen den rassistischen Krieg, den die srilankische Regierung führt, und ihr Widerstand gegen die indische Invasion in Sri Lanka von 1987 bis 1990. Wirklich beachtenswert und inspirierend ist die Fähigkeit der srilankischen Sektion, die unermüdliche Verteidigung der demokratischen Rechte des tamilischen Volks und den unversöhnlichen Kampf gegen den Krieg mit einer kompromisslosen und prinzipiellen Kritik an der nationalistischen Politik der LTTE zu verbinden.

the fact that the politics of the RCL/SEP has been characterized by deep principles and an extraordinary degree of political farsightedness. Among the many positions it took, allow me

Man darf nicht vergessen, dass so viel von dieser Arbeit unter den schwierigsten physischen Bedingungen geleistet wurde, wozu die ständige Drohung mit Unterdrückung und Gewalt gehört. Die RCL/SEP hat ihren Anteil an Martyrern zum Kampf für den Sozialismus beigetragen.

So eindrucksvoll die Leistungen der RCL/SEP innerhalb von Sri Lanka sind, noch wichtiger war ihre unermüdliche internationalistische Orientierung. In der Tat war die Partei, gerade weil sie diese internationale Perspektive verteidigte, in der Lage, dem Druck standzuhalten - der immer existiert -, sich an den nationalen Opportunismus anzupassen. 1985 trat die Führung der RCL als Bastion politischer Prinzipien gegen den Verrat der britischen Workers Revolutionary Party hervor. Niemand, der mit Genosse Keerthi während dieser entscheidenden Periode gearbeitet hat, kann seine herausragende Rolle vergessen. Der 18. Dezember 1987 war ohne Zweifel ein schwarzer Tag in der Geschichte der RCL und des Internationalen Komitees. Nichts hätte die Bewegung in Sri Lanka und international auf den plötzlichen Tod von Keerthi im Alter von 39 Jahren vorbereiten können. Und doch reagierten Genosse Wije Dias und seine Genossen in der politischen Führung der RCL auf diesen fürchterlichen Schlag, indem sie den Kampf für den Trotzkismus fortführten und entwickelten.

Die SEP in Sri Lanka begeht den 40. Jahrestag ihrer Gründung vor dem Hintergrund ungeheurer Veränderungen im Weltkapitalismus. Um die Folgen dieser Veränderungen zu ermessen, muss man heute nur das Schicksal der Organisationen betrachten, die Eure wichtigsten politischen Gegner waren - die LSSP, die Kommunistische Partei Sri Lankas, die JVP und die Unzahl an pablistischen und zentristischen Tendenzen sowie die tamilischen, nationalistischen Organisationen. Diese Organisationen, selbst wenn es sie noch gibt, sind zutiefst und unwiderruflich diskreditiert. Unfähig zu Schamgefühlen, können sie auf die letzten 40 Jahre nur mit der Hoffnung zurückblicken, ihre kriminellen Verrätereien vertuschen zu können. Die SEP hingegen kann auf ihre Arbeit mit Stolz und ungeheurem Vertrauen in die Zukunft blicken. Die Partei, die Ihr aufgebaut habt, ist die einzige Partei, die auf dem indischen Subkontinent die Prinzipien und das Programm des internationalen revolutionären Sozialismus vertritt.

Mit revolutionären Grüßen

David North, im Namen des Politischen Komitees der Socialist Equality Party (USA)

Siehe auch:
20 Jahre seit dem Tod von Keerthi Balasuriya
(27. Dezember 2007)
Generalsekretär der srilankischen SEP ehrt Keerthi Balasuriya
(5. April 2008)