Baberowski bekennt sich zu seinen rechtsextremen Vorbildern

Von Peter Schwarz
19. Juni 2017

Zwei Wochen nach seiner juristischen Niederlage in Köln beruft sich Jörg Baberowski in der Basler Zeitung direkt auf Armin Mohler, einen Vordenker der Neuen Rechten.

Baberowski, der an der Berliner Humboldt-Universität Geschichte lehrt, ist mit dem Versuch gescheitert, dem Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Universität Bremen zu verbieten, ihn als Rechtsextremen und Rassisten zu bezeichnen. Nun reagiert er auf seine Niederlage vor Gericht, indem er sich offen zu seinen rechten Vorbildern bekennt.

Unter der Überschrift „Der Mensch ist keine Abstraktion“ bekräftigt Baberowski in der Basler Zeitung eine Aussage, die im Kölner Prozess eine zentrale Rolle gespielt hatte. Im September 2015 hatte er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen mit der Begründung abgelehnt, sie unterbreche „den Überlieferungszusammenhang, in dem wir stehen und der einer Gesellschaft Halt gibt und Konsistenz verleiht“. „Gemeinsam Erlebtes, Gelesenes und Gesehenes“, so Baberowski, sei der soziale Kitt, der die Gesellschaft zusammenhalte.

Bereits das Landgericht Köln, das Baberowski als erste Instanz in mehreren Punkten recht gab, hatte befunden, diese Äußerung rechtfertige seine Bezeichnung als „rechtsradikal“. Die zweite Instanz, das Oberlandesgericht, wies seine Klage dann auch in allen anderen Fragen zurück.

Nun bekräftigt Baberowski seine rechtsradikale These und beruft sich dabei auf einen Autor, der nach dem Zweiten Weltkrieg „den völkischen Nationalismus der zwanziger Jahre“ wieder belebte und heute von der Neuen Rechten „als Gründervater“ verehrt wird, wie Die Zeit im Juli 2016 schrieb.

Baberowski beginnt seinen Artikel mit einem Zitat aus Armin Mohlers 1990 erschienenem Sammelband „Liberalenbeschimpfung“: „Die Vorstellung eines autonomen Individuums, wie sie dem Liberalen so am Herzen liegt, ist die schlimmste aller Abstraktionen.“

Dann fasst er den weiteren Gedankengang Mohlers zusammen: „Jeder Mensch stehe in einem Lebenszusammenhang, sei mit Familie, Freunden und Erinnerungen verbunden, die seinem Dasein Kontinuität verleihen“, und folgert daraus: „Es gehört zum Kern des konservativen Denkens, sich Menschen in Gruppen und Überlieferungszusammenhängen vorzustellen.“

Die Vorstellung einer Gemeinschaft, die „auf primordialen Bindungen beruht“ und in der sich die Menschen „auf die eigene Gruppe, auf Verwandtschaft, Nachbarschaft, Religion oder die ethnische Herkunft (sic!)“ beziehen, wie Baberowski wörtlich schreibt, gehört in der Tat zum Kern erzkonservativen und faschistischen Denkens. Die Nazis prägten dazu den Begriff der „Volksgemeinschaft“.

Dass sich Baberowski solche Vorstellungen zu eigen macht, unterstreicht, dass er ein Rechtsradikaler und Rassist ist. Hatte er sich früher (z.B. in einem Interview mit der F.A.Z. am 20. September 2015) noch als Vertreter einer „liberalen Gesinnung“ bezeichnet, greift er nun unter Berufung auf einen bekennenden Faschisten offen den Liberalismus an.

Der 1920 geborene Schweizer Publizist Armin Mohler hatte sich 1942 in Deutschland der Waffen-SS angeschlossen. Nach dem Krieg bewegte er sich in rechten und rechtsextremen Kreisen. Er war Privatsekretär des Schriftstellers Ernst Jünger und kurze Zeit Redenschreiber des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß. Er beteiligte sich an der Gründung der ultrarechten Partei „Die Republikaner“, publizierte in rechtsextremen Blättern wie der Jungen Freiheit und der Deutschen National-Zeitung und förderte Alain de Benoist, den Vordenker der französischen Nouvelle Droite.

Mohler gilt als wichtigster moderner Vertreter der „Konservativen Revolution“, ein Begriff, den er selbst prägte und zu dem er ausführlich publizierte. Es handelt sich dabei um eine Gruppe ideologischer Strömungen, die sich durch ihre antiliberalen, antidemokratischen und antiegalitären Züge auszeichnen und die in der Weimarer Republik dem Nationalsozialismus den Weg bereiteten.

Mohler selbst, der 2003 starb, bekannte sich bis zuletzt zu seinen faschistischen Vorbildern. 1995 von der Wochenzeitung gefragt, ob er Hitler immer noch bewundere, antwortete er: „Was heißt bewundern? Er hat immerhin eine richtige Führung geschaffen. Die Kader, die er heranzog, hatten Stil.“

Im selben Jahr sagte er der Leipziger Volkszeitung, er sei Faschist „im Sinne von José Antonio Primo de Rivera“, dem Vorgänger Francos an der Spitze der spanischen Falange-Partei. Er fügte hinzu: „Faschismus ist für mich, wenn enttäuschte Liberale und enttäuschte Sozialisten sich zu etwas Neuem zusammenfinden. Daraus entsteht, was man konservative Revolution nennt.“

Heute zählt Mohler zu den Vorbildern von Pegida und ultrarechten Elementen in der AfD. Götz Kubitschek, einer der führenden Ideologen dieser Kreise, schrieb 2003 einen begeisterten Nachruf auf Mohler und bezeichnete sich ausdrücklich als sein „Schüler“.

Baberowski stimmt nicht nur mit Mohlers antiliberaler Gesinnung überein, die sich gegen die von der Aufklärung und der amerikanischen und französischen Revolution geprägten Ideale der Gleichheit, der Freiheit und der Selbstbestimmung des Individuums („die schlimmste aller Abstraktionen“) wendet. Er zieht wie Mohler und seine faschistischen Vorbilder daraus auch autoritäre Schlussfolgerungen.

„Liberale können sich nicht vorstellen,“ schreibt er, „dass Menschen in autoritären Ordnungen Freiheitsspielräume haben, die sie nicht hätten, wenn sie sich auf Entscheidungen verließen, die ins Offene und Unbestimmte weisen. Die meisten Menschen wollen Sicherheit, Berechenbarkeit und Stabilität. Sie wollen nur solche Veränderungen, die ihre Lebensordnung nicht in Frage stellen.“

Laut Baberowski können sich nur Wohlhabende – Menschen, die „in bürgerlichen Wohnvierteln“ leben, „wo sie unter ihresgleichen bleiben“ – Liberalität und Weltoffenheit leisten. Arme, die in prekären Verhältnissen leben, brauchen dagegen eine autoritäre Ordnung und Gemeinschaften, die „auf primordialen Bindungen beruhen“ – d.h. ein faschistisches Regime.

Dass ein Professor der Berliner Humboldt-Universität (HU) in einer Zeitung, die zum Presseimperium des Schweizer Rechtsextremisten Christoph Blocher gehört, ein solches Bekenntnis zu autoritären und rechtsextremen Auffassungen ablegt, ist alarmierend. Noch schlimmer wird die Sache, weil die Leitung der Universität und zahlreiche Professoren Baberowski bis heute verteidigen, ihm bescheinigen, seine Äußerungen seien „nicht rechtsradikal“, und Kritik daran für „inakzeptabel“ erklären.

Eine entsprechende Stellungnahme des Präsidiums der HU steht bis heute im offiziellen Presseportal der Universität. Die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) haben die Universitätsleitung in einem Offenen Brief aufgefordert, die Stellungnahme offiziell zu widerrufen. Inzwischen hat sie den Eingang des Briefs bestätigt, aber weder darauf geantwortet noch die Erklärung zurückgenommen. Auch von den 23 Professoren, die sich der Stellungnahme angeschlossen haben, hat keiner seine Unterschrift zurückgezogen. Man kann dies nur als Entscheidung werten, rechtsradikale Standpunkte zu verteidigen oder zumindest abzudecken.

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